Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Liebe Leserin, Lieber Leser

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Hat das denn nie ein Ende?! – Jedes Jahr eine neue Fastenkampagne: Agenda, Plakate, Werkhefte, Pfarreiveranstaltungen, Gottesdienste, Hungertuch … Und jedes Jahr eine möglichst grosszügige Spende. Wäre es nicht an der Zeit, dass die Welt endlich besser würde, ob all diesen Bemühungen? Oder machen wir es am Ende immer wieder von Neuem verkehrt?
Die Wahrheit ist: Es hat nie ein Ende! Gerechtigkeit, Friede, Nächstenliebe und Menschenwürde sind keine Werte, die man sich sichern und dann versichern kann. Es gibt keinen besonderen Kniff, der den Himmel auf Erden ein für alle Mal installiert. Wir müssen uns immer und immer wieder anstrengen. Das hat auch ganz nüchtern biologische Gründe:
Zu unserer Zukunft Ja sagen bedeutet zu unseren Kindern Ja sagen. Und zu unseren Kindern Ja sagen bedeutet, immer wieder bei null anzufangen. Das Reich Gottes muss immer wieder von Neuem wachsen. Nicht nur in unseren Kindern – in uns allen. Das Schöne daran: Wir erhalten immer wieder neue Chancen, es besser zu machen. Das Mühsame: Auch die Chance, ins Stolpern zu geraten, begleitet uns hartnäckig.
Die Kirche und ihre Versuche, die Welt zu verbessern, werden manchmal belächelt, weil das nur „Pflästerlipolitik“ sei, zu wenig systematisch und nicht radikal die Strukturen verändernd. Ist das christliche Konzept wirklich so lächerlich? Erstens brauchen Menschen, die unter die Räuber gefallen sind, tatsächlich zunächst einmal einen Notverband. Zweitens sind die Opfer menschenverachtender Zustände nicht systematisch, sondern erschreckend willkürlich ausgewählt. Und drittens vermag gerade das Engagement einzelner Menschen die Strukturen zu erschüttern. Gerade das kleine Sandkorn im Getriebe beweist, dass Strukturen nicht allmächtig sind. Fastenopfer bedeutet deshalb auch, jedes Jahr von Neuem aus negativen Strukturen auszubrechen. Ich glaube: Das darf nie ein Ende haben!



THOMAS BINOTTO

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Thomas Binotto