Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 5, 2007 Kein Geld, kein Job, kein Platz
Kirchen in Schwamendingen suchen Wege aus Armut und Resignation

Kein Geld, kein Job, kein Platz

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Armut kann jeden treffen. Die vier Kirchgemeinden von Zürich 12 organisierten vom 13. bis 21. Januar eine Ausstellung, Gottesdienste, Abendveranstaltungen und ein Theaterprojekt für Jugendliche – alles unter dem Thema „Kein Geld – kein Job – kein Platz. Wege aus Armut und Resignation“.

„Wir sind überrascht und erfreut, wie gut unsere täglichen Veranstaltungen besucht wurden“, resümiert Pfarrer Alfred Böni von der Pfarrei St. Gallus. Am Montag gaben eine Fachfrau für Schuldenfragen und ein Stadtammann (Betreibungsbeamter) Auskunft, am Mittwoch ging es nach dem Input einer Psychologin darum, wie widrige Umstände im Leben gemeistert werden können, am Donnerstag stellten sich die Schwamendinger der Frage „Was kostet Lebenssinn?“. „Zuerst wollten wir das Thema ‚Arbeitslosigkeit’ bearbeiten“, erklärt Erika Schönenberger, Sozialarbeiterin in St. Gallus. „Doch dann merkten wir, dass unser Kernbereich anderswo liegt: Wir Kirchen können helfen, wenn es um Sinngebung geht, wir können beistehen mit Rat und – soweit möglich – auch mit Tat, um Wege aus schwierigen Lebenssituationen zu finden.“
Dass jede und jeder von Armut betroffen werden kann, darin war sich das Podium vom Dienstagabend unter der Leitung von TV-Moderator Patrick Rohr noch einig. Über Ursachen und vor allem Wege aus der Armut schieden sich dann die Geister: Der Projektleiter der reformierten Streetchurch, Markus Giger, warf die Idee eines Schuldenerlasses für Jugendliche in die Diskussion. Dort, wo Jugendliche begleitet durch eine Institution, durch Arbeit und sparsame Lebensweise neu anfangen, sollten Banken und andere Grossfirmen ihre Schulden erlassen, sonst kämen die Jungen kaum aus der Armut heraus. Nichts von diesem Vorschlag wissen wollte SVP-Gemeinderat Mauro Tuena, der sich auch vehement gegen die seiner Ansicht nach zu hohen Sozialkosten wehrte, die durch die ebenfalls anwesende Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker mitverursacht würden. Diese wiederum konterte, dass sozialer Friede, eine gute Schule und wenig Gewalt für Firmen ein wichtigerer Anziehungspunkt seien als ein tiefer Steuerfuss, der verhindere, dass der Staat seiner Pflicht zur Unterstützung Bedürftiger nachkommen könne. Sarah Moser, alleinerziehende armutsbetroffene Mutter und Kolumnistin, sowie Barbara Elsasser, Mitarbeiterin ATD Vierte Welt, zeigten ihre direkte Betroffenheit. Sie betonten, es dürfe nicht nur über Armutsbetroffene geredet werden, man müsse vor allem mit ihnen sprechen, um Wege aus der Armut zu finden.
Ein wichtiger Teil der ökumenischen Aktionswoche war die Ausstellung „Leben in Würde – ein Menschenrecht“ von der Bewegung ATD Vierte Welt. Sie lud ein, über dieses Thema nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln . So nahmen am „Vernetzungstreff“ vom Donnerstag acht armutsbetroffene Personen und eine pensionierte Frau teil. „Sie wollen ein Netz knüpfen, in dem man sich trägt und von wo aus neue Aktivitäten angegangen werden können“, erklärte Monika Bührer vom Organisationsteam. Auf Initiative der Anwesenden wurden bereits vier weitere Daten abgemacht, um gemeinsam weiterzugehen.
Ein Höhepunkt war das Forumstheater. Fünf Jugendliche ohne Lehrstelle oder Arbeit hatten unter der Leitung eines Theaterpädagogen Szenen erarbeitet, die sie aus ihrem Alltag kennen: Bewerbungen, Absagen, Geld ausleihen, familiäre Belastungen … Im zweiten Teil wurde das Publikum miteinbezogen: Als Lehrmeister, Vater oder Chefin forderten sie die Jungen zu Antworten heraus. Absolut spannend wurde es, als spontan die Zuschauenden die Rollen der Jugendlichen übernahmen und die Jungen als Lehrmeister und Chef agierten.
Die vier Kirchgemeinden dürfen auf eine gelungene erste ökumenische Woche zurückblicken.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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Frau, Mann, Jung oder Alt – vor Armut ist niemand gefeit. FOTO: CHRISTOPH WIDER