Agnes von Böhmen
Man sollte meinen, Agnes sei vom Schicksal besonders begünstigt gewesen, denn sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts in Prag in einen Königshof hineingeboren. Ihr Vater war König Ottokar I. von Böhmen. Aber mit den Privilegien war es offenbar nicht weit her, denn Agnes wurde zum Spielball königlicher Heiratspolitik. Schon als Kind wurde sie mit Boleslaw von Schlesien verlobt. Ihre Kindheit verbrachte Agnes im Kloster, daraufhin wurde sie fünf Jahre am königlichen Hof in Wien auf ihr Leben als Königin vorbereitet. Als Boleslaw starb, versuchte Ottokar sie mit einem anderen Königshaus zu verkuppeln. Zur Diskussion standen der junge Heinrich VII., dann dessen verwitweter Vater, Kaiser Friedrich II., und auch der König von England, Heinrich III. Schliesslich wurde Agnes gegen ihren ausdrücklichen Willen mit dem deutschen Kaiser verlobt. Agnes wollte aber überhaupt nicht heiraten, sondern ihrer Cousine Elisabeth von Thüringen nacheifern und ein religiöses Leben im Dienste der Armen führen. Das wurde allerdings erst nach dem Tod ihres Vaters möglich, als sie auf die Fürsprache des Papstes hin von Friedrich II. freigegeben wurde. Im Geiste Klaras von Assisi, mit der sie im Briefverkehr stand, gründete sie 1232 in Prag ein Spital für Arme und ein Klarissenkloster für adlige Frauen, dessen Äbtissin sie später wurde. Gerne hätte sie in Böhmen einen Frauenorden nach den strengeren Regeln der Franziskaner gegründet, aber das wurde von Papst Gregor IX. nicht erlaubt. Aus Protest gegen diesen Entscheid legte Agnes daraufhin ihr Amt als Äbtissin nieder und nannte sich nur noch „die ältere Schwester“. Schon bald nach ihrem Tod 1282 wurde Agnes in Böhmen als Heilige verehrt. Dennoch dauerte es über 600 Jahre bis zu ihrer Seligsprechung. Und nochmals gut 100 Jahre später – 1989 – wurde Agnes heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 2. März.
THOMAS BINOTTO