Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Aschermittwoch und Fastenzeit

Zwischen dem Festen das Fasten

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Bis ins 10. Jahrhundert gab es in der Kirche die Einrichtung der öffentlichen Busse. Vor der ganzen Gemeinde offenbarte der Büsser seine Sünden. In Anlehnung an die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies wurden darauf auch die Büsser aus der Kirche vertrieben. Am Aschermittwoch, vierzig Tage vor Ostern, wurden sie mit Asche bestreut und legten ein Bussgewand an. In einem vielfältigen und ausführlichen Ritus vollzog sich anschliessend bis Ostern die Rückkehr in die kirchliche Gemeinschaft.
Wahrscheinlich aus Solidarität mit ihren Mitbrüdern und -schwestern nahmen immer mehr Gläubige an dem Aschenritus teil, auch wenn sie selbst nicht zur Busse verpflichtet waren. Als dann im 9./10. Jahrhundert die öffentliche Busse allmählich aus dem kirchlichen Leben verschwand, blieb dennoch der Aschenritus zurück, und fortan liessen sich alle Gläubigen mit Asche bestreuen oder ein Aschenkreuz auf die Stirne zeichnen. Die dazu verwendete Asche stammt bis heute aus den Palmzweigen des vorjährigen Palmsonntages. Der Gläubige drückt damit seinen Willen zu Umkehr und Busse aus, weiss aber gleichzeitig um die Erlösung durch Jesus Christus.
In der evangelischen Kirche wird zwar der Aschenritus nicht durchgeführt, aber noch immer ist der Aschermittwoch Beginn der österlichen Vorbereitungszeit, der Passionszeit.

FASTENOPFER
Die Wochen vor Ostern kennen kein ausgedehntes Brauchtum, was wohl hauptsächlich mit dem ernsten und strengen Charakter dieser Zeit zusammenhängt. Sicher trug dazu auch bei, dass nun für die Bauern eine besonders arbeitsreiche Zeit anbrach, in der ohnehin nicht viel Raum für besondere Feiern und Bräuche blieb.
So sind es bis heute vor allem verschiedene Fastenbräuche, welche die vorösterliche Zeit prägen. Übrigens haben auch die Reformatoren das Fasten nicht grundsätzlich abgelehnt, obwohl sie bekanntlich das Fastengebot abgeschafft haben.
Nachdem inzwischen auch die katholische Kirche ihre Fastenpraxis gelockert hat und nur noch Aschermittwoch und Karfreitag als gebotene Fastentage vorschreibt, sind sich die christlichen Konfessionen in dieser Hinsicht sehr nahe gekommen. Seit 1967 führen das katholische „Fastenopfer“ und das evangelische „Brot für alle“ jeweils gemeinsame Jahresaktionen durch.

AM HUNGERTUCH NAGEN
Was nun das Fasten angeht, so hatten es die Gläubigen früher insofern leicht, als ihre Vorräte bei Frühlingsanfang ohnehin aufgebraucht waren. Aber gerade heutzutage, wo wir das ganze Jahr hindurch alles haben können, gewinnt das Fasten wieder an Bedeutung. Dass wir uns der Natur nicht mehr anpassen müssen und nicht mehr wissen, wann Erdbeerzeit und wann Kirschenzeit ist, das wird als Mangel erfahren, und so werden bewusst Möglichkeiten gesucht, den anregenden Wechsel von Gabe und Verzicht, von Fest- und Fastenzeit zu erleben.
Mit dem Hungertuch hat das Fastenopfer 1976 einen weiteren mittelalterlichen Brauch neu belebt und den Gläubigen in zeitgemässer Form wieder nahegebracht. Mit dem Hungertuch wurde im Mittelalter während der Passionszeit der Altarraum verhüllt. Indem man gewissermassen mit den Augen fastete, sollten mit der Enthüllung zu Ostern die Altarbilder zusätzlich an Bedeutung gewinnen und auf das zentrale Glaubensgeheimnis aufmerksam machen.
Hier liegt übrigens auch der Ursprung der Redensart, jemand nage am Hungertuch. Ursprünglich hiess es nämlich, man nähe am Hungertuch, denn dieses musste jeweils aus mehreren Stoffbahnen zusammengenäht werden. Mit dem Verschwinden des Hungertuches aus dem Brauchtum ging auch das Verständnis für diese Redensart verloren, und so schien schliesslich das Nagen am Hungertuch mehr Sinn – und Kalorien – zu ergeben.
Wenn schliesslich die Fastenzeit mit der Karwoche beschlossen und Ostern, das wichtigste christliche Fest, gefeiert wird, offenbart sich darin ein ganz wesentliches Element des christlichen Kirchenjahres, nämlich der Wechsel zwischen dem Festen und dem Verzichten. Dahinter steckt die grundlegende Einsicht, dass es Hochzeiten nur dank den Tiefpunkten gibt.

THOMAS BINOTTO

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Wussten Sie …

… dass „nüchtern“ etwas mit Frühgottesdienst zu tun hat? „Nüchtern“ kommt nämlich von „nocturnus“, was „nächtlich“ bedeutet. Gemeint war damit ursprünglich das Gebot, vor dem Frühgottesdienst nichts gegessen zu haben.

… dass die Herkunft von „Karneval“ bis heute ungeklärt ist? Volkstümlich wird behauptet, es heisse eigentlich „carne vale“, was so viel wie „Fleisch, leb wohl!“ bedeutet. Es könnte aber auch das mittellateinische Wort „carnelevale“ (Fleischwegnahme) die richtige Erklärung sein.

… dass Fisch am Freitag eine eigentliche Notlösung war? Früher wäre nämlich für viele Küstenbewohner der Verzicht auf Fisch einem fast vollständigen Nahrungsentzug gleichgekommen. Für sie war Fisch oft die einzige Speise und wurde deshalb auch als „Brot der Armen“ bezeichnet.

… dass die Fastnacht in einigen Gebieten, unter anderem auch der Schweiz, seit Jahrhunderten Fasnacht heisst. Das „t“ wegzulassen, hat also gar nichts mit liturgischer Unwissenheit zu tun, sondern bereits im Mittelalter in manchen Dialekten schlicht mit der erleichterten Aussprache.

THOMAS BINOTTO