Seelsorgeraum in der Pilotphase
Ausschlaggebend für den Entscheid, sich auf das im Kanton Zürich noch kaum erprobte „Projekt Seelsorgeraum“ einzulassen, war die Tatsache, dass sich Pfarrer Hans Cantoni nach 30 Jahren Pfarreileitung nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Damit stand die Pfarrei St. Anton vor einer wesentlichen Veränderung. Wie weiter? „Historisch gesehen liegt es auf der Hand“, sagt Pfarrer Adrian Lüchinger von Maria Krönung, den die Kirchenpflege von St. Anton und das Zürcher Generalvikariat im vergangenen Jahr mit der Anfrage konfrontierte, ob er bereit sei, die Leitung der beiden Pfarreien im Rahmen eines zu schaffenden Seelsorgeraumes zu übernehmen. Diese verbindet eine lange, gemeinsame Geschichte. Vor 41 Jahren realisierte man angeregt und unterstützt von der Pfarrei St. Anton die „Tochterpfarrei“ Maria Krönung. Nach einer kurzen Bedenkzeit ist Adrian Lüchinger mit seiner grossen Gemeinde in die auf ein Jahr festgesetzte Pilotphase aufgebrochen.
Mit Schlieren-Dietikon sind St. Anton-Maria Krönung nun zwei weitere Pfarreien, die den Schritt in eine enge Zusammenarbeit gewagt haben. Pfarrer Adrian Lüchinger stellt fest, dass sich das Konzept von Schlieren-Dietikon nicht eins zu eins auf ihre Gemeinde anwenden lässt. Es gibt also keine eigentliche Vorlage, an der man sich orientieren kann. Der neue Seelsorgeraum muss sich nach den hier bestehenden und gewachsenen Voraussetzungen und Strukturen gestalten. Die aus Adrian Lüchinger, Hans Cantoni, Vertretern beider Kirchenpflegen und Franz-Xaver Herger bestehende Kerngruppe entwarf einen „Businessplan“. Bewusst wollte man nicht mit einem bis ins Detail ausgearbeiteten Konzept starten. Es sollte Raum da sein für Entwicklungen und Anpassungen, die sich als notwendig und sinnvoll erweisen würden.
Eine der wesentlichsten Veränderungen für die Pfarreimitglieder war die Umstellung des Gottesdienstplanes. Seit September 2006 sind die gewohnten fünf Sonntagsgottesdienste in St. Anton auf zwei reduziert worden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, zwei auch in Maria Krönung bzw. der englischsprachigen Gemeinde mitzufeiern. Doch die Bewegung von Hottingen nach Witikon ist für Jung und Alt eine Herausforderung.
Die sehr motivierten Mitarbeitenden und die Pfarreimitglieder sind gezwungen, sich von Gewohntem zu verabschieden und auf Neues einzulassen. Der Angst, dass aufgrund der Grösse Wärme und Geborgenheit einem unpersönlichen Management weichen müssen oder dass man die wertvolle Eigenständigkeit – „die Kirche im Dorf“ – verliert, wird ernst genommen. „Es wird sich zeigen, ob es uns gelingt, die Menschen zu überzeugen, dass dieser Zusammenschluss eine Chance ist. Unsere Kirche sollte ein Ort sein, an dem man sich entfalten kann, wo das Denken geweitet wird und unterschiedliche Prägungen Platz haben.“ Pfarrer Adrian Lüchinger formuliert das wichtigste Ziel: „Wir möchten Stabilität in das neue Gebilde bringen und die Menschen untereinander vertraut machen. Es soll nach aussen sichtbar werden, dass es den Mitarbeitenden und den Pfarreimitgliedern hier wohl ist.“
ANDREA THALI