Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 26, 2007 Kunst im Dienst der Gemeinschaft

Kunst im Dienst der Gemeinschaft

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Kunst soll entspannen, erfreuen, herausfordern, zum Nachdenken anregen – warum nicht auch die Pfarreiarbeit unterstützen? Rümlang hat’s ausprobiert.

„Vor einem Jahr sah ich an einem Kunstwettbewerb in Budapest das Bild der Schweizer Künstlerin Christine Seiterle mit dem Titel ‚Geschwisterlichkeit in allen Sprachen‘“, erzählt Urs Häusler vom Katholischen Pfarreirat in Rümlang. „Das Bild sprach mich spontan an: Es drückt Gemeinschaft aus, Menschen, die rund um einen Tisch sitzen – wobei der Tisch gleichzeitig ein Buch andeutet: ein Bild für eine Pfarrei, die um den Tisch und das Wort Gottes versammelt ist“, führt er aus. Als im Pfarreirat ein neues Jahresmotto gesucht wird, schlägt er „Gemeinschaft erleben“ vor, inspiriert von dem Bild, das er als Aufhänger zum Motto in die Pfarrei holen möchte. Die Idee findet Anklang im ganzen Pfarreirat, und die Künstlerin wird angefragt, ob ihr Bild – in einem vergrösserten Druck – verwendet werden dürfe. Die Schaffhauser Künstlerin, die oft in Paris und Norwegen arbeitet, freut sich sehr, dass ihr Bild ins Pfarreileben integriert werden soll, und verspricht, im September selber an einem Gottesdienst anwesend zu sein.
Zuerst aber werden das Bild und das Motto Anfang Jahr in einem Gottesdienst eingeführt. „Wir wollten, dass dieses Motto stärker in der Pfarrei verankert wird als in anderen Jahren, wo es jeweils wieder etwas in den Hintergrund trat“, erklärt Pfarrer Bosco Fässler. So werden vom Bild kleine Kärtchen gedruckt, ergänzt mit einem Wort, das notwendig ist, um Gemeinschaft aufzubauen: „tolerant sein, nachsichtig sein, zuhören, Vertrauen haben, einander Zeit schenken“, steht da. Die Kärtchen werden nach dem Gottesdienst an Pfingsten verteilt, so dass die Pfarreimitglieder nun auch zu Hause ans Motto erinnert werden.
Das Thema zieht sich auch durch den Religionsunterricht. Alle Unti-Kinder malen ein Porträt von sich. Die Kinderzeichnungen werden im Kreis angeordnet und vorne in der Kirche aufgehängt. Beim Familiengottesdienst im September, an dem die Künstlerin anwesend ist, schlägt der Pfarrer vor, Christine Seiterles Bild nach vorne, in die Mitte der Kinderporträts zu holen. „Die Kinder waren begeistert, mit ihren Bildern sichtbar ein  Teil der Pfarreigemeinschaft zu sein“, freut sich Pfarreiratspräsidentin Annelies Gut.  Nach den Gottesdiensten würden oft einige Leute zum Bild der Künstlerin und den Kinderbildern hinübergehen, sie betrachten und darüber diskutieren, hat Pfarreiratsmitglied Rosmarie Kern beobachtet. Und so erklärt Christine Seiterle ihr Bild: „Der Tisch ist ein Sinnbild für das weltweite Teilen, für die Notwendigkeit, miteinander im Gespräch zu sein. Der runde Tisch stellt gleichzeitig das Erdenrund dar: Es gibt nur diese eine Erde, wir müssen mit ihr, mit der Natur im Einklang leben. Ein Licht von oben erhellt die Szene: Wir alle sind unter der einen Sonne, welche Sinnbild für Gott, für die Liebe, welche Leben ermöglicht, ist. In der Mitte ist das Buch angedeutet, das alle verstehen und alles enthält: Sinnbild für den Lebensführer der Liebe – für Gott, aber für jede und jeden in seiner Sprache.“
Doch dann hält die junge Künstlerin inne und meint: „Eigentlich kann man nicht sagen, was das Bild ausdrückt. Deshalb male ich auch, weil Worte nicht ausreichen …“ Und das Bild hat, wie Pfarrer Bosco Fässler und sein Pfarreirat überzeugt sind, die Menschen der Pfarrei angesprochen. Deshalb soll 2008 das Motto weitergeführt werden: „Gemeinschaft weiterleben“ wird es heissen, und das Bild von Christine Seiterle wird weiterhin in der Kirche hängen.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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"Geschwisterlichkeit in allen Sprachen", ein Bild der Schweizer Künstlerin Christine Seiterle. FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER