Heute...
   … ist uns der Retter geboren! Mehrmals ertönt in der Mitternachtsmesse diese Botschaft des Engels an die Hirten (Lukas 2,11). Der Ruf will nicht bloss an Vergangenes erinnern oder Zukünftiges heraufbeschwören. Das Ereignis, von dem die Rede ist, geschieht jetzt. Wir selber sind es, die mit den Hirten „gehn hinein zu sehn, was Gott uns hat beschert“ (Nr. 332 im Katholischen Gesangbuch). Die Weihnachtslieder singend, treten wir ein in dieses Heute. Und wir staunen: „Wundersam, wen heut Maria uns zur Freud geboren“ (Nr. 345). Derjenige, den wir im Advent erwartet haben, ist wirklich angekommen. Sein Name heisst „Immanuel – Gott ist mit uns“ (Matthäus 1,23).
Im Heute der liturgischen Feier kommt Gott bei uns an – und wir bei ihm. Das Heute ist Gottes Zeit – und unsere Zeit. Wir werden nicht auf das Gestern behaftet und nicht auf das Morgen vertröstet oder verpflichtet. Der dem Diktat der Zeit enthobene Augenblick steht uns zur Verfügung als ein Geschenk des Lebens, unverdient und ungeschuldet. Es ist die Einbruchstelle des Ewigen in das Vergängliche. Wir dürfen einfach da sein – so wie Gott da ist: „Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben“ (Nr. 333).
JOSEF-ANTON WILLA
LITURGISCHES INSTITUT