Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Vierter Adventssonntag (23. Dezember): Jesaja 7,10–14

Guter Hoffnung

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Jesaja kann einem leidtun. Ausgerechnet zur Regierungszeit des Königs Ahas musste er Prophet sein. Und das war kein Zuckerschlecken, hörte doch Ahas weder auf die Warnungen des Propheten, noch auf das Wort JHWHs. Selbst ein prophetisches Hoffnungszeichen muss ihm regelrecht aufgedrängt werden. Zu Ahas’ Entlastung muss man allerdings sagen, dass dieser als Enkel des Usija, König von Juda zwischen 786 und 758 v. Chr., ein schweres Erbe antrat. Usija hatte zwar einige erfolgreiche Eroberungsfeldzüge durchgeführt und damit das Königreich Juda  im Süden bis zur ägyptischen Grenze abge-sichert. Doch als sich der unaufhaltsame Aufstieg der Grossmacht Assyrien immer deutlicher abzeichnete, konnte er sich nicht entscheiden, ob er angesichts dieser Gefahr ein Bündnis mit Israel und Syrien eingehen sollte oder nicht. Er überliess die Entscheidung seinen Nachfolgern, so richtig ausbaden musste die Sache der Enkel Ahas. Als dieser sich weigert, dem antiassyrischen Bündnis beizutreten, versuchen König Rezin von Syrien und König Pekach von Israel ihn abzusetzen. Sie belagern Jerusalem, um Juda zum Bündnisbeitritt zu zwingen. Und was tut Ahas in dieser Situation? Entgegen Jesajas Warnung wendet er sich an den assyrischen König und bittet ihn, gegen Israel und Syrien einzuschreiten. Damit rettet er zwar seine Haut, doch Juda gerät unter assyrische Oberherrschaft und muss fortan hohe Tribute bezahlen.
So weit der historische Hintergrund. Auf einer anderen Ebene ist die Sache mit dem göttlichen Zeichen angesiedelt. Eine junge Frau bekommt ein Kind und gibt ihm den Namen Immanuel – „Gott mit uns“. Eigentlich schade, dass der Ausdruck „guter Hoffnung sein“ derart aus der Mode gekommen ist, wohnt doch jedem Anfang nicht nur ein Zauber, sondern auch eine Hoffnung inne. Vielleicht berührt uns deshalb der Anblick eines Neugeborenen auf eine ganz spezielle Art und Weise. Weil wir uns nicht nur fragen, was aus diesem Kind wohl werden wird, sondern auch, was aus uns hätte werden können. Wenn ich noch einmal ganz von vorne beginnen könnte, was würde ich (anders) machen? Welche Wege würde ich einschlagen, welche meiden? Woran würde ich mein Herz hängen, wofür mich einsetzen?
Auch wenn wir die Zeit nicht zurückdrehen können, lohnt sich dieses Fragen. Wir haben zwar nicht mehr ganz so viele offene Möglichkeiten wie ein neugeborenes Kind. Doch die Zusage „Gott ist mit uns“ vermag uns die Kraft zu geben, da und dort noch einmal wie von vorn zu beginnen. Und ich wüsste keinen passenderen Zeitpunkt dafür als Weihnachten, wo nach langem Dunkel endlich der Wendepunkt erreicht ist und wieder Licht aufscheint.

JUDITH HARDEGGER

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"Sieh doch, eine junge Frau ist schwanger, sie wird ein Kind gebären und es Immanuel, Gott mit uns, nennen." Jesaja 7.14. FOTO: ARCHIV CHRISTOPH WIDER