Gott mit neuen Augen sehen
 In den Pfarreien hat sich in Sachen Arbeit mit Familien in den letzten Jahren einiges bewegt. Spürbar ist die Angst vieler Eltern, bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder etwas falsch zu machen. Was geschieht zum Beispiel in den Pfarreien nach der Taufe oder bei der Erstkommunion? Nach der Firmung werden die Jugendlichen mehr und mehr zu „Tiefseechristen“, die dann – wenns gut geht – erst wieder bei der Hochzeit auftauchen. Doch die Suche nach neuen Wegen ist in zahlreichen Pfarreien im Gange.
Zusammen mit Albert Biesinger, Professor an der Universität Tübingen, begaben sich am Samstag, 24. November, im Pfarreizentrum Liebfrauen sechzig in der kirchlichen Arbeit Engagierte eben auf diesen Weg. „Familienpastoral von der Schwangerschaft bis zur Firmung“ hiess das Thema. Die Erstkommunion brauche einen „langen Anweg“, damit sie nicht zur „Letztkommunion“ werde, so Biesinger. Viele Eltern bekämen durch die Erstkommunion ihrer Kinder erstmals wieder einen Kontakt zu Kirche und christlicher Botschaft. Man dürfe nicht von missionarischer Kirche reden, wenn es nicht gelinge, die Eltern direkt zur Glaubens-kommunikation in der Familie anzuleiten. Eine solche Katechese könne Freude machen und Begeisterung wecken, so der Tübinger Religionspädagoge.
Schwerpunktthema an der 116. Plenumssitzung vom Dienstag, 20. November, waren die Ausführungen von Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral im Generalvikariat. Er erläuterte mittels einer anschaulichen Powerpoint-Präsentation die Zwischenergebnisse der Werkstätten Zukunft Kirche Zürich. Zusammengefasst ging es vor allem um Grundhaltungen und Glaubwürdigkeit in den Bereichen Spiritualität, Kirche als gelebte Gemeinschaft, Frauen, Hierarchie und Basis, Gemeindeleitung, Ökumene und interreligöser Dialog, Diakonie, Kirche und Gesellschaft sowie die Weitergabe des Glaubens. Vögele ist überzeugt, dass „die Kirche mit ihrer – für moderne Menschen verständlich gemachten – Frohbotschaft durch ihre Spiritualität und Solidarität überzeugend und beispielhaft wirken muss“.
CHRISTIAN MURER