KOMM!
Sehnsuchtsvoll und drängend ruft jemand im vorletzten Vers der Bibel: „Komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,20). Ähnlich beschwörend klingt es in Psalm 80, einem typischen Advents-Psalm: „Du Hirte Israels, höre …! Der du auf den Kerubim thronst, erscheine …! Biete deine gewaltige Macht auf und komm!“. Der Ruf nach einem, der endlich kommen und nicht länger zögern soll, ist das Grundwort des Advents. Die Sehnsucht nach einem abwesenden Menschen kennt jeder. Gibt es aber noch Sehnsucht nach Jesus als einem, der wiederkommen soll? Unsere Adventslieder kennen sie: „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt? … O komm, ach komm vom höchsten Saal!“ (Nr. 302 im Katholischen Gesangbuch). Sicher gibt es auch heute die Sehnsucht nach Frieden, nach Licht und nach einer heilen Schöpfung. Die Liturgie adressiert ihr leidenschaftliches Verlangen aber nicht an ein anonymes „Es“, sondern immer an ein „Du“: „Komm, du Sonne voller Glanz, komme in unser Dunkel und erhelle unsre Nacht, Herr, in deinem Lichte. Komm, Herr Jesu, komme bald, such uns heim in Frieden. Mach die ganze Schöpfung neu.“ (Nr. 313 im Katholischen Gesangbuch) Advent heisst Ankommen und Ankunft. Die weihnachtliche Antwort auf den Ruf „Komm!“ heisst noch immer: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren. (Lukas 2,11)
GUNDA BRÜSKE, LITURGISCHES INSTITUT