Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

Vergangene Ausgabe
Leserbrief Service Archiv Impressum Kontakt
Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 25, 2007 Erfahrungsberichte
Rituale

Erfahrungsberichte

Artikelaktionen

Taufe

Mit zwanzig war Anja Vöhringer-Rüegg aus der Kirche ausgetreten. „So wie die katholische Kirche die Bibel auslegte, stimmte es für mich nicht mehr“, erklärt sie. „Die Kirche zeigte sich mir als ein ausschliesslicher Verein, der seine Mitglieder zu einem bestimmten Glauben zwingt. Mir fehlte die Offenheit und Freiheit in der Kirche.“ Geheiratet haben sie und ihr Mann dann trotzdem kirchlich –  allerdings „mehr auf Wunsch meines Mannes, der zwar auch höchst selten in die Kirche geht, aber sich doch noch stärker verbunden fühlt. Er ist auch nie ausgetreten“, fährt die junge Frau fort. Als ihre Zwillinge unterwegs waren, stellte sich dann die Frage der kirchlichen Taufe – die aber eigentlich gar keine Frage war: „Für mich war es klar, dass ich die Kinder taufen lassen wollte. Sie sollen eine Religion kennen lernen, nur so können sie später selber entscheiden.“ Man wachse schliesslich auch in eine Familie hinein, ohne diese auszusuchen, so solle es auch zuerst mit der Religion sein. „Nachher haben sie alle Freiheit.“ Ausserdem stimmt für die Mutter der inzwischen einjährigen Buben die „Grundidee des christlichen Glaubens“ nach wie vor. Auch das Angebot der Müttergruppe der katholischen Kirche ihres Wohnortes hat Anja Vöhringer gerne angenommen: „Selbst wenn ich einen Tag in der Woche arbeite und so aus dem Haus komme, freue ich mich, andere Mütter zu treffen, und gleichzeitig können Colin und Dylan neue ‚Gspänli’ kennenlernen.“ Das Gespräch mit der Pfarreiassistentin, welche die Familie vor der Taufe besucht hatte, wie auch jenes mit dem Pfarrer seien „gut und stimmig“ gewesen, ebenso die Taufe selbst– auch wenn mehrere Kinder getauft worden seien und dadurch einige Unruhe geherrscht habe. „Ich finde es ganz wichtig, dass sich die Kirche für Benachteiligte aller Art einsetzt“, meint Anja Vöhringer. Ausserdem ist die Kirche für sie „ein Ort der Ruhe, wo man sich selber wieder finden, innerlich aufatmen kann.“ Das sollen auch ihre Buben kennen und erleben können.

Beerdigung

„Meine Mutter hatte mit der Kirche nie zu tun, daher dachte sie auch nicht an eine kirchliche Beerdigung, als unser Vater starb“, erzählt Doris E. Als die Familie dann vom Standesamt erfuhr, dass von Amtes wegen einfach der Friedhofgärtner bei der Beerdigung dabei sein würde, fühlten sie, dass etwas Entscheidendes fehlen würde. „Komm, wir fragen doch einen Theologen an“, schlug die Tochter vor. Ihr Vater war zuletzt in einem Pflegeheim, und dort habe die Heimleitung am Totenbett, im Beisein der Familie, ganz selbstverständlich ein Gebet gesprochen – „das ist da einfach üblich“, meint Doris E. Und dieses Gebet hatten alle als wohltuend empfunden: „Da hat jemand ausgedrückt, was wir so nicht hätten formulieren können, aber irgendwo stimmte es.“ Dieses positive Erlebnis ermutigte die Familie, auch für die Beerdigung eine kirchliche Feier ins Auge zu fassen. Da man die Kirche aber als eher steif in Erinnerung hatte und befürchtete, ein Pfarrer würde mit einem fixen Ablauf und vorgefassten Texten einfach über die Gefühle der Trauernden hinweggehen, suchte man vorerst einen freischaffenden Theologen. Doch in der kurzen Zeit war kein Termin zu finden. „So habe ich unter meinen Bekannten, die in die Kirche gehen, herumgefragt, und sie empfahlen mir die Kirchgemeinde am Wohnort meiner Mutter“, erzählt Doris E. weiter. „Man versicherte uns, dass auch die kirchlichen Seelsorger auf uns eingehen würden“, - und so war es dann auch. „Meine Mutter war überrascht und erfreut, wie gut das Vorgespräch mit dem Pastoralassistenten verlief.“ Die Kirche sei ja gar nicht so stur, wie sie gemeint habe. Der Pastoralassistent habe sich sehr viel Zeit genommen für ihre Mutter, sie sei ganz begeistert gewesen. Die Beerdigung verlief dann schlicht und tief: „Das waren dann nur noch zehn Minuten“, erinnert sich Doris. „Zuerst sprach der Seelsorger frei etwas über Leben und Tod, dann folgte ein Gebet und der Segen.“ So genau erinnert sie sich gar nicht mehr, aber es war würdig und ihren Gefühlen in jenem Moment entsprechend. Dankbarkeit und Friede bleibt zurück.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER


Informationsborschüren

„Taufe. Ein Weg beginnt“.
„Trau dich auf einen gemeinsamen Weg“
Bezug: Generalvikariat Zürich, Tel. 044 266 12 66 oder herunterladen unter www.zh.kath.ch


Artikelaktionen