Liebe Leserin, lieber Leser
26 000 Exemplare wurden in den ersten drei Monaten verkauft. Die Rede ist nicht vom siebten Harry Potter, sondern von der neuen Zürcher Bibel. Damit ist bereits über die Hälfte der ersten Auflage abgesetzt, was alle Erwartungen übertrifft. Ähnlich sieht es bei einer anderen neuen Bibelübersetzung aus: Die „Bibel in gerechter Sprache“, die vor einem Jahr auf den Markt kam, wird bereits in dritter Auflage gedruckt. Dass in letzter Zeit ziemlich viel und ziemlich kontrovers darüber diskutiert wird, was genau in der Bibel steht und wie es zu interpretieren ist, liegt wohl vor allem an dieser „Bibel in gerechter Sprache“. Auch wir haben nach Standpunkten gesucht und fanden die Debatte äusserst spannend und bereichernd. Der neuen Zürcher Bibel gewähren wir in einer späteren Nummer eine ausführlichere Würdigung.
Vergleicht man verschiedene Bibelübersetzungen, wird schnell deutlich, dass Übersetzen stets mit Interpretieren Hand in Hand geht. Deshalb geben Neuübersetzungen auch immer zu reden. Welche Gottesnamen man wählt oder wie man die Anrede in den Paulusbriefen gestaltet, ist eben mehr als einfach Geschmackssache.
In unserem Themenheft ist das Übersetzen nur ein Aspekt. Inwiefern die Bibel Künstler bei ihrem Schaffen inspiriert oder wie Bibellektüre heute gestaltet wird, sind andere. Wer bei der jüngsten Auseinandersetzung um ein Berner Biologie-Schulbuch mitreden oder den Argumenten der neuen Atheisten etwas entgegensetzen will, sollte die Bibel nicht nur kennen, sondern deren Texte auch in die richtigen Zusammenhänge stellen können. Vielleicht macht unser Heft Lust darauf, noch mehr über dieses mal geheimnisvoll rätselhafte, mal Trost und Kraft spendende Buch zu erfahren.
JUDITH HARDEGGER