Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

Vergangene Ausgabe
Leserbrief Service Archiv Impressum Kontakt
Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 24, 2007 Gottes Wasserfarben
Bibel-Illustration

Gottes Wasserfarben

Artikelaktionen
Der Basler Maler Samuel Buri hat eine künstlerische Version der neuen Zürcher Bibel geschaffen. Seine Schriftbilder nennt er „Gottes Wort in Wasserfarben“.

Hoch überm Thunersee hat der Maler Samuel Buri in einem alten Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert sein Refugium. Schon sein Vater Fritz hat sich mit seiner Familie hierher zurückgezogen. Hier, nahe dem Himmel, bekommt er den Kopf vom Alltag frei. Hier finde er „den Bezug zur Kindheit, zum verlorenen Paradies, das wir so gerne durchstreiften“, beginnt Samuel Buri zu erzählen. An das verwinkelte Bauernhaus wurde ein Atelier angebaut. Lilien stehen in einer Vase, neben einem Heer von unzähligen Pinseln. Es scheint, als müssten diese mit ihren spitzen Borsten eine Lanze für die Kunst brechen. Samuel Buri malt gerade ein traditionelles Stilleben: Vase mit Blumen, Äpfeln, Pflaumen und Zitronen. Eine Komposition, wie sie seit Hunderten Jahren in den Kunsthallen hängt. Doch mit Buris eigener Farbkomposition bekommt sie neues Leben, wird Teil der Moderne.

IM SCHATTEN DES ALTARS
Die Daten zum Leben von Samuel Buri sind schnell aufgezählt: 1935 in Täuffelen BE geboren, 1948 Umzug nach Basel. Der Vater arbeitet als Pfarrer der St.-Alban-Kirche, später als Münsterpfarrer und Professor an der Theologischen Fakultät. Ab 1953 besucht Buri die Basler Gewerbeschule, wird Maler und hat zahlreiche viel beachtete Ausstellungen im In- und Ausland. Nach einer abstrakt-tachistischen Phase kehrt er Anfang der 60er Jahre unter dem Einfluss der amerikanischen Pop-Art zur Gegenständlichkeit zurück. Was das konkret bedeutet? Kurz: Samuel Buris Bilder mag man oder man mag sie nicht. Und viele mögen sie wegen der Farben. Wie der Galerist und Museumsstifter Ernst Beyeler, der ihn im Kulturmagazin „Du“ als den „besten Koloristen“ bezeichnete.

ÄSTHET ENTDECKT BIBEL
Später sitzen wir in der Bauernstube. Oben in der Ecke des Raums liegt eine alte Bibel auf dem Regal. Die sei schon dagelegen, als seine Familie während seiner Kindheit einzog, sagt Buri. Früher habe er sich kaum mit der Bibel auseinandergesetzt oder beschäftigt. Diese Welt blieb dem Vater vorbehalten. Nach dem Tod seines Vaters fing Samuel Buri an, sich für die Kirche zu interessieren. „Konventionell“, meint er, ab und zu gehe er in eine Predigt. Die Bibel habe ihn bei Beerdigung, Taufe und Heirat begleitet. Zwanzig Jahre lang lebte Samuel Buri in Frankreich, zuerst in Paris, dann im Burgund, in einem katholischen Umfeld. Als es mit seiner ersten Frau zum Bruch kommt, wurden ihm sein Protestantsein und seine Herkunft aus dem Pfarrhaus stärker bewusst. Er sei halt im Pfarrhaus aufgewachsen, im Schatten des Altars, wie die Franzosen sagen. Vor drei Jahren fragte ihn der damalige Leiter des Theologischen Verlags Zürich, Niklaus Peter, an, ob er die neue Zürcher Bibel illustrieren wolle. Buri sagte sofort zu und machte sich an die Arbeit, Bibelverse in Farbe umzusetzen. Seine Schriftbilder nennt er „Gottes Wort in Wasserfarben“.

WORTGLÄUBIGER SCHRIFTBILDNER
Als Bibelstellen wählte man Texte, die den Glauben prägen wie Wolkenkratzer die Skyline einer Stadt, so Niklaus Peter. Künstlerisch versteht sich Buri auch in der Tradition religiöser Künstler wie Marc Chagall oder Max Hunziker. Er will nicht unterscheiden zwischen weltlicher und religiöser Kunst. Mit seinen Schriftbildern nimmt Buri die Bibelverse beim Wort, ähnlich wie die islamische Kalligrafie die Koranverse. Oder wie es mittelalterliche Mönche beim Verzieren der Buchstaben taten. Buri gefällt dieser Vergleich, entstanden doch einzelne Schriftbilder im Kloster Disentis. Den ganzen Psalter habe er mit den Mönchen gesungen, schmunzelt er. Samuel Buris Schriftbilder sind voll Leben, das in allen Farben und Nuancen leuchtet. Er will Nägel mit Köpfen machen: Buchstaben malen, die sich zu Wörtern zusammenfügen. Mehr brauche es nicht. „In den Wörtern ist der ganze Inhalt enthalten, deshalb sind Buchstaben keine trockene oder gar tote Materie.“

TILMANN ZUBER


"Zürcher Kunstbidel". Illustriert von Samuel Buri. Verlag der Zürcher Bibel 2007. 20 farbige Illustrationen. 1500 Seiten. Fr. 60.-. ISBN 978-3-859-95243-0.


Artikelaktionen
"Das Wort soll transparent werden. " FOTO: TILMANN ZUBER/zVg