Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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75 Jahre Monikaheim

Insel der Geborgenheit

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Was 1932 als „Heim für gefallene Mädchen“ begann, ist heute Kindern im Vorschulalter eine Insel der Geborgenheit. Der christliche Geist weht noch immer.

 Nachdenklich blickt Arbinora aus dem Fenster: „Ich habe mit meinen 19 Jahren schon so viel Schreckliches erlebt“, sagt sie leise und kann die aufsteigenden Tränen kaum unterdrücken. Noch während der Schulzeit ungewollt schwanger, zog die Albanerin zur Familie ihres Freundes. Die Geburt des Kindes machte eine Lehre unmöglich. Arbinora versorgte den Haushalt, betreute ihr Kind und arbeitete Teilzeit in einer Fabrik. Bald wurde ihr Freund gewalttätig, betrog sie.
Verzweifelt flüchtete die junge Frau ins Frauenhaus und suchte von dort aus nach einem Ort, der ihrem Leben wieder ein wenig Normalität bringen würde. „Ich wollte endlich ohne Angst mit meinem Kind leben …“ Seit acht Monaten wohnt sie nun mit dem zweijährigen Driton in einer der vier Zwei-Zimmer-Wohnungen, die das Monikaheim allein erziehenden Müttern mit Kindern für ein Jahr anbietet. Sie gestaltet ihren Alltag selbst, schätzt jedoch die psychologische Begleitung und die Unterstützung bei der Regelung ihrer Finanzen.

DREI ANGEBOTE
Das Begleitete Wohnen für Mutter und Kind ist eines der drei Angebote des Monikaheims. „Wir sind vor allem ein Heim für Kinder im Vorschulalter“, erklären die beiden Leite-rinnen Brigitte Kämpfen und Jacqueline
Rickenmann. In der „Kriseninterventionsgruppe“ erhalten sechs Kinder, die eine sofortige Betreuung von wenigen Tagen bis zu drei Monaten brauchen, Schutz und Sicherheit, bis ihre Situation geklärt und die weitere Zukunft geplant ist. Steht die Rückkehr in die Familie nicht zur Diskussion, können sie als eine mögliche Lösung in einer der beiden Wohngruppen mit je acht Kindern aufgenommen werden. Ein familienähnliches Umfeld bietet ihnen hier längerfristig Raum für eine gesunde Entwicklung und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit.
Im idyllisch am Waldrand oberhalb des Irchelparkes gelegenen Haus leben zurzeit 27 Kinder und vier Mütter. Betreut werden sie von 43 Mitarbeitenden mit psychologischem und sozialpädagogischem Hintergrund.
Die Gründe, warum die Kinder von den Eltern getrennt werden müssen, reichen von Kindsmisshandlung über Gewalt unter den Eltern bis zu Drogen- oder Alkoholmissbrauch von Vater oder Mutter. In letzter Zeit hätten vor allem auch Fälle von psychisch kranken Eltern zugenommen, sagt Jacqueline Rickenmann. Die Kinder werden dem Monikaheim von einem Sozialzentrum, dem Jugendsekretariat des Kinderspitals oder der Polizei überwiesen.
„Wir versuchen, für jedes Kind eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Wohlbefindens zu schaffen, damit es trotz seiner sozialen Benachteiligung in den ersten Lebensjahren ein starkes Fundament für ein gesundes Leben erhält“, betont Jacqueline Rickenmann. Doch, fügt Brigitte Kämpfen  an, „ein Heim ist eine Übergangslösung, kein Familienersatz.“

EIN ALBUM ALS ERINNERUNG
Ziel der beiden Leiterinnen ist es deshalb, ein Kind nur so lange im Heim zu behalten, bis eine gute Lösung gefunden ist. Rund die Hälfte der Kinder kehrt in die eigene Familie zurück, für die übrigen wird eine Pflegefamilie gesucht. Ein Album erinnert jedes Kind an die Zeit im Monikaheim. Auch für Arbinora wird das Monikaheim bald Vergangenheit sein. Was sie sich denn für die Zukunft wünsche? „Meine eigene Wohnung haben, eine Lehre beginnen, von niemandem abhängig sein“, sagt sie und ihre Augen beginnen zu leuchten.   

PIA STADLER

1930 gründete der katholische Fürsorgeverein im
Werdgarten in Zürich ein Notasyl für junge Frauen, die dort ihr Kind zur Welt bringen und eine Zeit lang mit ihrem Säugling leben konnten. 1932 bezog die
Institution das Monikaheim am Fusse des Zürichberges. 1975 wurde die Stiftung Monikaheim Zürich ins Leben gerufen. Die Geburtenabteilung schloss 1980.
Nach einem Totalumbau wurde das Monikaheim mit dem heutigen Angebot 1993 wieder eröffnet.
www.monikaheim.ch

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Das Monikaheim bietet Schutz und Erholung für Mutter und Kind. FOTOS: CHRISTOPH WIDER