Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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KLEINES 1x1 DER LITURGIE

BROT BRECHEN

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Wenn beim Hochzeitsfest das Brautpaar die Torte anschneidet und sie damit zum Geniessen freigibt, ist das eine Art Ritual und geschieht mit einer gewissen Feierlichkeit. Ähnlich würdevoll muss man sich das Brechen des Brotes durch den Hausvater in der jüdischen Familie vorstellen, bevor er es an die Seinen verteilt. Weil der Brotfladen hart ist, wird er nicht geschnitten, sondern auseinandergerissen. Nur so kann er alle nähren, die am Tisch sitzen.
Jesus selber hat dieses Tischritual – verbunden mit einem Lobgebet – im Kreis seiner Freunde praktiziert. Er gab ihm ein besonderes Gewicht, so dass es für die Jünger von Emmaus zum Erkennungszeichen des auferstandenen Herrn wurde (Lk 24,31).
Auch in der Messfeier ist das Brechen des eucharistischen Brotes ein eigener, musikalisch ausgestalteter Ritus. Der Ruf „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) wurde ursprünglich nicht nur dreimal vorgetragen, sondern in Form einer Litanei so lange gesungen, bis das Brot in ausreichend viele Stücke aufgeteilt war, um allen davon zu essen zu geben. Mit der Verwendung kleiner Brotscheiben ab dem 12. Jahrhundert verlor das Brechen des Brotes in der Messe zwar weitgehend seine praktische Bedeutung, nicht aber seinen symbolischen Gehalt: Es erinnert an die Liebe Jesu, der sein Leben mit seinen Freunden geteilt und im Tod ganz für sie hingegeben hat. „Es gibt keine grössere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Dadurch aber, dass das Leben Jesu für die Freunde „gebrochen“ wurde, erhalten alle daran Anteil.

JOSEF-ANTON WILLA,
LITURGISCHES INSTITUT

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