Würdigung zum Abschied
Als Bischof Amédée Grab 1998 vom Bistum Lausanne-Genf-Fribourg nach Chur wechselte, wurde er mit offenen Armen empfangen. Mit ihm kam der richtige Mann zur richtigen Zeit an den richtigen Ort. Es gelang ihm dann auch in kurzer Zeit, die verfahrene Situation, die er im Bistum Chur antraf, zu beruhigen. Durch seine diplomatischen Fähigkeiten hat er ganz wesentlich zur Entspannung beigetragen. In den achteinhalb Jahren seiner Amtszeit als Bischof von Chur erlebte ich ihn – zuerst als Generalvikar für die Bistumskantone der Urschweiz, dann für Zürich und Glarus – als Person, deren Sichtweise einerseits vom Blick auf die ganze Kirche geprägt war. Dies hatte seinen Grund sicher auch darin, dass Bischof Amédée mehrere Jahre den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen präsidierte. Andererseits bedeutete ihm die Begegnung mit der Basis sehr viel. Ja, man hatte den Eindruck, dass er diese Begegnungen sogar sichtlich genoss. Mit seiner umgänglichen und kommunikativen Art hat er das Vertrauen und die Loyalität der Zürcher Katholikinnen und Katholiken gewinnen können. Die Zusammenarbeit mit den staatskirchenrechtlichen Behörden war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamer Sorge für die Katholische Kirche im Kanton Zürich. Ich bin Amédée Grab sehr dankbar, dass er sich in einer schwierigen Situation vorbehaltlos mit seiner Person zur Verfügung gestellt hat. Sein Einsatz im Dienst der gegenseitigen Verständigung hat einmal mehr gezeigt, wie grundlegend die Dialogbereitschaft ist – auch in unserer Kirche.  Â
+ PAUL VOLLMAR WEIHBISCHOF UND GENERALVIKAR
Bischof Amédée Grab bin ich die letzten Jahre hindurch immer wieder begegnet, sei es in Zürich oder in Chur. Stets schätzte ich seine offene, kontaktfreudige und verbindliche Art. Seinen Weihbischöfen in Zürich – zu-erst Peter Henrici, dann Paul Vollmar – brachte er grosses Vertrauen entgegen und er liess ihnen weitgehend freie Hand. Dadurch konnte in einer guten und verlässlichen Art zwischen der Evangelisch-reformierten Landeskirche und der Katholischen Kirche in unserem Kanton zusammengearbeitet werden.
Amédée Grab war die partnerschaftliche ökumenische Zusammenarbeit ein Anliegen. Dies durfte ich immer wieder erfahren. Der freundschaftliche Kontakt gab der „Amtsbeziehung“ menschliche Wärme und spirituelle Tiefe. Bei aller Unmittelbarkeit blieb Amédée Grab durchaus auch „Kirchenfürst“ im schönen Sinn des Wortes: eine selbstbewusste geistliche Persönlichkeit, geprägt von der Demut, ohne welche man kirchliche Verantwortung nicht wahrnehmen kann. Von Herzen wünsche ich Amédée Grab weiterhin die Lebensfreude, die er stets ausgestrahlt hat. Es wird mir auch in Zukunft eine Freude sein, ihm zu begegnen: freundschaftliche Ökumene – ökumenische Freundschaft!
RUEDI REICH KIRCHENRATSPRÄSIDENT DER EVANGELISCH-REFORMIERTEN LANDESKIRCHE DES KANTONS ZÜRICH
Lieber Bischof Amédée, ist es ein Zufall, dass unsere erste Begegnung an einem Apéro stattfand? Es war am 23. August 1998, nach Deiner Amtseinsetzung auf dem Vorplatz der Kathedrale: Regierungsrat Buschor, Weihbischof Henrici und ich beglückwünschten Dich als Zürcher Delegation.
Natürlich liessen sich all die Probleme des Churer Bistumskonflikts nicht an einem Apéro lösen. Es folgten Gespräche in Chur und in Zürich. Bald darauf setzte die Synode mit zukunftsorientierten Beschlüssen Zeichen der Versöhnung. Wie hast Du das in so kurzer Zeit fertiggebracht? Ganz einfach: durch Gespräche, durch Zuhören, im Aufbau von Vertrauen. Kaum zwei Jahre im Amt schafftest Du eine Neuausrichtung der Theologischen Hochschule Chur. Die Bistumsbeiträge wurden freiwillig erhöht und wenig später beschlossen die Zürcher Katholiken, für die Restaurierung der Kathedrale 3 Millionen bereitzustellen. Jetzt ist Erntezeit und Du darfst die altehrwürdige Kathedrale feierlich einweihen.
Zwei Dinge noch: Du hast die Ökumene, die in Zürich wohl einzigartig ist, persönlich gefördert und das Verhältnis von Kirche und Staat, obwohl durch Deine Genfer Erfahrungen anders geprägt, positiv gesehen.
Mir bleibt nur noch Dir ganz herzlich zu danken für die Befriedung des Bistums, die wichtige Aufbauarbeit und die Begegnungen, die ich mit Dir erleben durfte. Ich hoffe, dass zwischen Dir als emeritiertem Bischof und mir als Alt-ZK-Präsident noch weitere Begegnungen dazukommen in Gottesdiensten, am Tisch oder beim Apéro mit einem feinen Amadeus-Wein.
RENÉ ZIHLMANN ALT-ZENTRALKOMMISSIONSPRÄSIDENT