Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 22, 2007 Liebe Leserin, lieber Leser
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Liebe Leserin, lieber Leser

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Eine Mehrheit unserer Bevölkerung soll für aktive Sterbehilfe sein. Gleichzeitig will niemand Dignitas in seiner Nachbarwohnung. Was paradox klingt, hat eine gemeinsame Wurzel: die allgemeine Verdrängung des Sterbens. Aktive Sterbehilfe klingt gnädig, hat jedoch eine ganze Reihe von harten Konsequenzen, die man nicht gerne ausspricht: So ist es beispielsweise naiv, ein Recht auf die Gestaltung des eigenen Todes einzufordern. Die Toten im Strassenverkehr beispielsweise haben sich nie für dieses Sterben entschieden.
Weiter ist es kurzsichtig, die Selbsttötung als rein individuelle Entscheidung zu betrachten. Sie wird die Mitmenschen immer direkt oder indirekt betreffen. Drittens ist es eine Illusion zu glauben, mit der zunehmenden Tolerierung aktiver Sterbehilfe werde kein Druck auf Menschen ausgeübt, die gar nicht auf diese Weise sterben wollen. Das Leben in lebenswerte und lebensunwerte Zustände zu unterteilen, ist keine harmlose Privatangelegenheit. Alte, kranke, leidende, behinderte Menschen und längerfristig all jene, die unserer Gesellschaft „nur“ Kosten und Mühe bereiten, werden dadurch massiv unter Druck gesetzt.
Schliesslich schadet die aktive Sterbehilfe der Förderung von Palliativpflege und -medizin, die Schmerzen lindern und ein Sterben in Würde ermöglichen wollen. Palliativpflege ist nämlich wesentlich teurer und anspruchsvoller als ein Todestrank.
Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man jemanden sterben lässt oder ihn aktiv zum Tod befördert. Über den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe zu informieren, ist deshalb dringend notwendig.
Mit aktiver Sterbehilfe wird die Solidarität zwischen den Generationen, zwischen Gesunden und Kranken, zwischen Starken und Schwachen massiv beschädigt. Allerdings, wenn wir als Kirche diese Entsolidarisierung nicht hinnehmen wollen, dann müssen wir uns materiell, gesellschaftlich und auch seelsorgerlich noch viel überzeugender einsetzen.

THOMAS BINOTTO

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Thomas Binotto