FÜRBITTEN
Oratio universalis: Allgemeines Gebet nennen die offiziellen Dokumente die Fürbitten, die seit der Liturgiereform wieder fester Bestandteil der meisten Gottesdienstformen sind. Dabei geht es um etwas ganz Einfaches und Elementares: den konkreten und aktuellen Nöten Raum und Ausdruck zu geben. Beide Namen weisen darauf hin, dass sich das Gebet nicht auf die Versammelten beschränken soll. Die Gottesdienstgemeinschaft solidarisiert sich mit den Nöten aller Menschen. Es soll für die Kirche, die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, und für alle Menschen und das Heil der ganzen Welt, aber auch für die Ortsgemeinde gebetet werden (1 Tim 2,1).
Die Fürbitten werden vom Diakon, dem Lektor/der Lektorin oder einem anderen Laien vorgetragen. Vielleicht haben diese sie auch vorbereitet. Denn sie sind ein wichtiger Akt der aktiven Teilnahme der Getauften. Damit sie wirklich zum Gebet aller werden können, müssen sie gut und offen formuliert werden. Sie dürfen nicht an die Versammelten gerichtete moralische Appelle sein oder Gott vorschreiben, was er zu tun habe. Sie tragen echte Not vor Gott, der damit geehrt wird. Denn indem wir ihm das Unmögliche zutrauen, anerkennen wir seine Grösse und öffnen uns gleichzeitig für seine Antwort. Die kommt. Nur anders als erwartet.
PETER SPICHTIG OP, LITURGISCHES INSTITUT