Not macht erfinderisch
Unter dem Motto „Fit für die Zukunft“ hatten sich vor drei Jahren 300 Pfarreian-gehörige aus Dübendorf, Fällanden und Schwerzenbach auf die Suche nach einem neuen Seelsorgemodell gemacht. Das forum berichtete darüber (Heft 9/2005). Verschiedene Ideen und Szenarien wurden diskutiert. Am Ende siegte das Modell des Seelsorgeraumes, der nun von Pfarrer Thomas Meli geleitet wird und als dessen Herzstück er die koordinierte Seelsorge bezeichnet: „Wir möchten eine grösstmögliche Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Eigenheiten des jeweiligen Ortes. Deswegen gibt es drei Pfarreiräte, die das Gemeindeleben vor Ort unterstützen.“ Im Unterschied zum schon länger bestehenden Seelsorgeraum Dietikon-Schlieren-Urdorf gibt es hier nur eine Kirchgemeinde und also auch nur eine Kirchenpflege. Das macht vieles einfacher, insbesondere was die Finanzen angeht. „Wir sind sehr flexibel, beispielsweise wenn wir uns gegenseitig aushelfen bei Gottesdiens-ten oder Beerdigungen. Das muss dann nicht jedes Mal separat verrechnet werden“, sagt Beat Schlauri. Er ist seit acht Jahren Gemeindeleiter in Fällanden und steht kurz vor seiner Pensionierung. Mit dem neuen Seelsorgemodell ist er sehr zufrieden: „Lange Zeit war ich allein auf weiter Flur, später gab es wenigstens mit Schwerzenbach eine gewisse Zusammenarbeit. Jetzt haben wir ein grosses, starkes und geführtes Team. Das ist für mich eine ganz neue Erfahrung.“
Sein Kollege Luis Perez Uvalle, der in Schwerzenbach die Gemeindeleitung innehat, stimmt ihm zu: „In einem grossen Team erhält man immer wieder neue Impulse für seine Arbeit. Besonders für die Katechese sind die Vorteile enorm. Unterrichtseinheiten können im Team vorbereitet werden, und die Katechetinnen profitieren von den Ideen, Methoden und Erfahrungen ihrer Kolleginnen.“ Für ihn war dieses neue Seelsorgemodell ausschlaggebend dafür, seinen Arbeitsort nach Schwerzenbach zu verlegen. „So was ist doch viel spannender, als wenn man sich in eingespielte Strukturen einfügen muss“, meint er.
SYNERGIEN NUTZEN
Auch Thomas Meli ist begeistert: „In einem grossen Team können Synergien genutzt werden und es kommen verschiedene Talente zum Tragen.“ Wichtig seien allerdings klare Absprachen, wer wofür die Verantwortung trage. Sonst sei das Chaos vorprogrammiert. „Das ist kein einfacher Prozess und braucht viel Zeit.“ Thomas Meli ist froh, dass sein Team bald durch einen zweiten Priester verstärkt wird. Auf die Dauer hätte er allein nicht alle priesterlichen Aufgaben für den gesamten Seelsorgeraum abdecken können.
Und Nachteile, gibt’s die auch? Die drei Seelsorger sind sich einig: Diese Art
von pfarreiübergreifender Zusammenarbeit braucht mehr Absprachen, mehr Sitzungen, mehr Planung. Das bedeutet zusätzliche Arbeit. Man müsse delegieren können und dürfe nicht bei allem das Gefühl haben, es gehe nicht ohne einen. Thomas Meli: „Es braucht auch Glück. Wenn in einem Team die Chemie nicht stimmt, geht gar nichts. Das heisst nicht, dass wir uniform sein müssen. Doch wir müssen theologisch am gleichen Strick ziehen.“ Und auf die Frage, ob mit dem Modell Seelsorgeraum alle Probleme des
Priestermangels gelöst seien, meint er: „Im Rahmen des heute Möglichen ist es sicher eine gute Lösung. Aber man darf nicht dabei stehen bleiben. Die Zulassungsbedingungen fürs Priesteramt müssen früher oder später geändert werden.“
JUDITH HARDEGGER