Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Ergebniskonferenz der „Werkstätten Zukunft Kirche Zürich“

Keine Endstation

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In der katholischen Kirche St. Marien in Langnau am Albis trafen sich am 8. September rund 120 Personen zum „Zwischenhalt“ im Rahmen des Projekts „Werkstätten Zukunft Kirche Zürich“.

Gastgeberin der ganztägigen Veranstaltung war die Pfarrei Langnau am Albis. Sie bot den Teilnehmenden aus über 30 Pfarreien sowie Institutionen und Gremien wie die Eröffnungsveranstaltung vor einem Jahr in der Pfarrei Zürich-Heilig Geist wiederum einen bestens organisierten und stilvollen Rahmen für das Zukunftsprojekt der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.
Es sei ein denkwürdiger Tag, leitete Franz-Xaver Herger, Moderator von Weih-bischof und Generalvikar Paul Vollmar, die Tagung ein: „Wir richten heute den Blick in die Zukunft der Kirche Zürich. Und in Einsiedeln findet gleichzeitig die Bischofsweihe statt.“
Die Anwesenden liessen sich über verschiedene in den Pfarreien bereits durchgeführte Zukunftsprojekte sowie pfarreiübergreifende Themenveranstaltungen wie Spiritualität und Ökumene orientieren und tauschten bisher gemachte Erfahrungen aus. Mittels E-Voting wurden dann die wichtigsten Anliegen der Pfarreien ermittelt. Hier dominierten klar die Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung von Frauen in verantwortungsvollen Funktionen und der Wunsch nach einer grosszügigen Einladung zum gemeinsamen Mahl für alle Christen – Geschiedene und Wiederverheiratete mit eingeschlossen.
Grossgeschrieben wurde zudem die Subsidiarität als sinnvolles Prinzip für kirchliches Handeln, Kompetenzenverteilung und Verantwortlichkeiten. Im Weiteren soll die Stellung der gemeindeleitenden Seelsorgerinnen und Seelsorger gestärkt werden.

VERSÖHNLICHE BOTSCHAFT
In verschiedenen Gruppengesprächen kam eine gewisse skeptische Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Bischof zum Ausdruck. Unter anderem hatte auch die Terminkollision zwischen Bischofsweihe und Zwischenhalt für Irritation gesorgt. Diese wurde wohl in einem der Wünsche deutlich, welche in Langnau formuliert wurden: Man wünscht sich Bischöfe, die verbinden und nicht polarisieren. Die Grussadresse, die Generalvikar und Weihbischof Paul Vollmar von der Bischofsweihe in Einsiedeln überbrachte, entsprach diesem Wunsch. Bischof Vitus Huonder dankt darin allen für die Arbeit in der „Zukunftswerkstätte“ und schrieb: „Dieser ‚Zwischenhalt‘ interessiert mich sehr, und ich freue mich, die Ergebnisse am 9. Dezember anlässlich meines Besuchs und der Messfeier in der Zürcher Liebfrauenkirche erklärt zu erhalten und entgegennehmen zu dürfen. Ich stelle bei dieser eurer Arbeit den Willen fest, unseren Glauben weiterzutragen und künftigen Generationen weiterzuschenken. Das kann ich nur unterstützen.“

IMMER UNTERWEGS
Weihbischof Paul Vollmar nahm in einer ersten spontanen Stellungnahme die vorgebrachten Anliegen und Wünsche wohlwollend entgegen. Er bekräftigte den Anspruch der Frauen auf einflussreichere Positionen und ermutigte sie, sich selber stärker einzubringen, denn: „Frauen sind unersetzlich in der katholischen Kirche.“ Voraussetzung für christliches Handeln und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit seien Dialogbereitschaft und Wahrhaftigkeit.
Kirchenratspräsident Ruedi Reich, wie andere auch von der Bischofsweihe in
Einsiedeln herkommend, gratulierte im Namen der Evangelisch-reformierten Landeskirche der katholischen Kirche für ihren 200-jährigen Weg im Kanton Zürich und wies noch einmal auf den diese Woche veröffentlichten Ökumenebrief hin: „Längst ist uns bewusst, dass uns mehr verbindet als trennt.“
Reich interpretierte das römische Schreiben zum Kirchenverständnis überraschend und mit subtilem Sprachwitz. Tatsächlich verlasse er hin und wieder am Abend sein Büro und frage sich: „Sind wir Kirche im eigentlichen Sinne?“ Er liess dabei durchblicken, dass sich diese Frage alle Kirchen stellen müssen – auch die katholische. Leben und verkünden wir wirklich das, was Jesus Christus eigentlich von uns erwartet? Damit wies Reich – passend zum Motto „Zwischenhalt“ – darauf hin, dass Kirche kein Zustand, sondern ein Weg ist.
René Zihlmann, der abtretende Präsident der Zentralkommission, erinnerte daran, dass es am 10. September 2007 genau 200 Jahre her sei, dass die damalige Zürcher Regierung aufgrund des Toleranzartikels den Katholikinnen und Katholiken wieder erlaubte, regelmässige Gottesdienste zu feiern. Es sei ein stimmiges Zusammentreffen, dass praktisch zeitgleich der Ökumenebrief das Verbindende von reformierter und katholischer Kirche bekräftige und die Referendumsfrist für das neue Kirchengesetz ablaufe, welches die beiden Schwesterkirchen zu gleichberechtigten Partnern mache.

BRÜCKEN NACH ALLEN SEITEN
Zihlmann gab seiner Freude über die tolle Stimmung und die wertvolle Arbeit Ausdruck. Als Vertreter der staatskirchlichen Behörde bestätigte er, dass viele Kompetenzen an die Pfarreien und Kirchgemeinden abgetreten worden seien. Sein Ja zur Subsidiarität sei aber differenziert: Der richtige Ort sei wichtig, manchmal gebe es Dinge, die auch an „höherer“ Stelle behandelt werden müssten.
Mit dem Verweis auf die Weihe in Einsiedeln mahnte Zihlmann, Toleranz und Versöhnung nicht nur als einseitigen Auftrag zu verstehen: „Wir sollten dem neuen Bischof auch eine Chance geben und auf ihn zugehen.“
Die ebenfalls im Wunschkatalog geforderte „Wahrhaftigkeit“ sei selbstverständlich notwendig. Gleichzeitig gab Zihlmann jedoch zu bedenken, dass man damit Seelsorgende auch überfordern könne: „Sie sind auch nur Menschen.“
Mit der Veranstaltung „Zwischenhalt“ hat die Katholische Kirche im Kanton Zürich die verschiedenen Jubiläumsaktivitäten „200 Jahre unterwegs“ offiziell abgeschlossen. Zwar waren in Langnau am Albis weniger Personen versammelt als an der Eröffnungsveranstaltung, aber die Stimmung war sichtlich gut. Die vielen ganz praktischen Schritte, die man in den einzelnen Pfarreien unternehmen will oder bereits unternommen hat, weisen darauf hin, dass man nicht bei Allgemeinplätzen und Grundsatzerklärungen stehen bleiben will. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schienen motiviert, nach dem „Zwischenhalt“ zuversichtlich und tatkräftig weiterzugehen. Den – vorläufigen – Schlusspunkt unter das Werkstattprojekt setzt am 9. Dezember 2007 der gemeinsame Gottesdienst mit Bischof Huonder in der Zürcher Liebfrauenkirche.

www.kirche-unterwegs.ch


BIT/PD/KIPA

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Impressionen eines Zwischenhalts mit Aufbruchstimmung. FOTOS: CHRISTOPH WIDER