Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Vor gut drei Jahren erkrankte eine Katechetin aus unserer Pfarrei an Krebs. Ungefähr ein Jahr vor ihrem Tod sagte sie mir: Wenn ich sterben muss, dann möchte ich, dass im Trauergottesdienst zwei Lieder von Bryan Adams gespielt werden: „Summer of 69“ und „Here I am“.
Im April dieses Jahres verstarb Irene Widmer. Und in der Trauerfeier haben wir ihren Wunsch erfüllt.
Ein paar Monate später habe ich mich mit ihrer Tochter Sonja darüber unterhalten, was ihr diese Lieder heute bedeuten.

Was verbindest du mit diesen Liedern?
Sonja Widmer: Meine Mutter war gewissermassen „der grösste Fan“ von Bryan Adams. Ich finde seine Musik auch gut, verbinde sie aber immer mit ihr. Und diese beiden Songs waren eben wirklich ihre Lieblingslieder.
Mit „Here I am“ hängt ausserdem eine spezielle Geschichte zwischen uns beiden zusammen. Als ich 15 Jahre alt war, ging ich für ein paar Wochen nach Amerika. Ich war also relativ jung für so ein Unternehmen. Meine Mutter hatte grosse Mühe damit, liess mich aber gehen. Zum Abschied habe ich ihr dann eine CD mit diesem Lied, das damals ganz neu war, geschenkt. Damit wollte ich ihr sagen: Wenn du es hörst, denk an mich!
Ja, und als wir es jetzt bei ihrer Trauerfeier gespielt und gehört haben, da war es umgekehrt: Wir haben an sie gedacht.

Wenn du das Lied heute unvermittelt und unvorbereitet hörst, zum Beispiel im Radio – wie geht es dir damit?
Das kommt sehr darauf an, wo ich gerade bin. Wenn ich es im Auto höre, dann finde ich es einfach schön und denke an sie. Wenn ich allerdings an einem Fest bin, wo ich die Leute nur zum Teil kenne – dann möchte ich am liebsten gehen.
Denn wie soll ich erklären, warum das Lied mich so bewegt?
Besser ist es, wenn Leute dabei sind, die ich gut kenne. Die wissen dann schon, was mit mir los ist, und ich muss nichts erklären.

Hast du eine Ahnung, warum deine Mutter ausgerechnet diese beiden Lieder für ihre Trauerfeier ausgewählt hat?
„Summer of 69“ war eigentlich ihr absolutes Lieblingslied. Und der Sommer war ausserdem ihre Lieblingsjahreszeit. Sie war ein richtiger Sommermensch, der auflebte, wenn die Sonne schien und es draussen warm war.
„Here I am“ hat ihr auch vom Text her etwas bedeutet. Sie konnte ja nur ein bisschen Englisch, und deshalb haben wir den Text mehrmals gemeinsam angeschaut. Und in diesem Text ist ganz viel enthalten, was für ihr Leben Bedeutung hatte: die Hoffnung, jeden Tag neu anzupacken, das Leben so zu nehmen, wie es kommt.
Das war etwas, was sie im Zusammenhang mit ihrer Krankheit lernen musste und auch gelernt hat. So gesehen ist dieses Lied auch ein Lied über sie.

Beide Lieder haben also viel mit Irenes Leben zu tun?
Ja, das ist ganz deutlich. „Here I am“ – das hat sie im Grunde bis zum letzten Tag ihres Lebens gesagt: Hier bin ich. So wie ich bin, bin ich. Jetzt nehmt mich auch so!

Hat das Lied für dich so etwas wie eine Botschaft?
Das ist schwierig. Aber ich denke, die Botschaft besteht in der Erinnerung. „Here I am“ – das heisst für mich heute: Sie ist nach wie vor bei mir. Es ist zwar schade, dass sie zum Beispiel jetzt meine eigene Wohnung nicht mehr sehen kann, aber trotzdem ist sie irgendwie da. Sie war ja eine sehr starke Person bis ganz zuletzt. Ihr Umgang mit ihrer Krankheit hat viele Menschen sehr beeindruckt. Und deshalb ist sie auch jetzt noch buchstäblich präsent: Here I am!
Da, wo sie war in ihrem Leben, war sie immer ganz da. Wenn sie etwas gemacht hat im Leben, dann hat sie es nicht halb, sondern ganz gemacht. Und diese Lebenshaltung ist offensichtlich von Dauer: Here I am!
Und „Summer of 69“ ist einfach ein Lied über schöne Erinnerungen. Wir haben ja auch viel Schlimmes und Schwieriges erlebt zusammen. Aber wenn ich heute zurückdenke, dann ist da vor allem das Schöne und Positive. Und das tut sehr gut.

Ist dir sonst noch etwas wichtig?
Wichtig ist, dass meine Mutter aus der Musik immer Kraft tanken konnte. Musik half ihr, das Leben so zu nehmen, wie es kommt, und es auch so zu bewältigen.
Im Hören der Musik gab sie den Liedern eigene Inhalte, die nicht unbedingt viel mit dem Text eines Liedes zu tun haben mussten. Aber auf diese Weise wurden die Lieder zu „ihren“ Liedern.
Und so bleibt sie selbst unvergessen darin.
Und wenn sie wüsste, dass unser Gespräch heute im „forum“ erscheint – ich glaube, sie hätte eine Riesenfreude.

INGO BÄCKER

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FOTO: ARCHIV CHRISTOPH WIDER
Here I am

Here I am – this is me.
There’s nowhere else on earth I’d rather be.
Here I am – it’s just me and you.
And tonight we make our dreams come true.

It’s a new world – it’s a new start.
It’s alive with the beating of young hearts.
It’s a new day – it’s a new plan.
I’ve been waiting for you.
Here I am.

Here we are – we’ve just begun,
and after all this time – our time has come.
Ya here we are – still goin’ strong,
right here in the place where we belong.

Here I am – this is me.
There’s nowhere else on earth I’d rather be.
Here I am – it’s just me and you.
And tonight we make our dreams come true.

Here I am – next to you.
And suddenly the world is all brand new.
Here I am – where I’m gonna stay.
Now there’s nothing standing in our way.
Here I am – this is me.

BRYAN ADAMS