EVANGELIAR
Bei den Bischofsversammlungen des II. Vatikanischen Konzils wurde jeweils zu Beginn in einer feierlichen Zeremonie ein Evangeliar inthronisiert. Damit stellte sich das Konzil unter das Wort Gottes. Das Wort sollte die Norm seiner Entscheidungen bilden. Darum sollte es ringen. Aber ist denn das Chris-tentum eine „Buchreligion“? Nein, zuerst und zuletzt ist das Christentum die Religion des fleisch- und nicht des buchgewordenen Wortes: Jesus Christus selbst ist Gottes letztes und entscheidendes Wort an uns Menschen. Aber Menschen haben von Jesus erzählt aus der Erfahrung heraus, dass er, zur Rechten des Vaters erhöht, auch jetzt bei denen gegenwärtig ist, die in seinem Namen versammelt sind. Er selbst redet in dem Wort, das von ihm überliefert und in der Feier der Liturgie verkündet wird. Das reich geschmückte, kostbare Buch, aus dem diese Verkündigung erfolgt, steht deshalb für den jetzt redenden Jesus Christus. Weil das Wort Fleisch geworden ist, darum ist es auch Buch geworden. Deshalb sagt das Konzil: „Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht.“
MARTIN BRÜSKE
LITURGISCHES INSTITUT