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Die Prieuré de Sion

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Behauptung: Die mysteriöse Bruderschaft von Sion, der berühmte Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Isaac Newton oder Victor Hugo als Grossmeister vorgestanden haben, hielt die „Wahrheit“ über die Nachkommenschaft von Jesus und Maria Magdalena über die Jahrhunderte am Leben.

Und das meint der Decoder dazu: Einmal mehr wärmt Dan Brown Verschwörungstheorien auf, die bereits in mehreren pseudowissenschaftlichen Büchern verhandelt worden sind. Vor allem kupfert er von Henry Lincolns, Michael Baigents und Richard Leighs Bestseller aus den achtziger Jahren „Der Heilige Gral und seine Erben“ ab. Darin wird Maria Magdalena als Tochter aus dem Stamm Benjamin vorgestellt, die mit Jesus aus dem königlichen Hause David verheiratet ist und Kinder zeugt, mit denen sie später nach Südfrankreich flieht. Auf diese Weise sollen die Nachkommen Jesu in Gallien Fuss gefasst und sich im 5. Jahrhundert mit dem fränkischen Herrschergeschlecht der Merowinger vereinigt haben. Zwar wurden die Merowinger 751 durch die Karolinger vom Thron verdrängt, doch unter dem Schutz des Geheimordens Prieuré de Sion sollen sie weitergelebt haben und leben – bis heute. Die Pointe des Buches lautet also: Jesu königliche Nachkommen sind unter uns, und eines Tages wird dieses Königtum in Frankreich und Europa wieder an die Macht kommen. In Dan Browns „Sakrileg“ sind es französische Tempelritter, die nach der Eroberung Jerusalems 1099 auf dem Tempelberg Zion Dokumente finden, welche die Sache mit Jesu Nachkommenschaft belegen. Als sich die Vernichtung des Templerordens durch den Papst abzeichnet, gelingt es der Prieuré de Sion, diese Dokumente in Sicherheit zu bringen und an einem geheimen Ort aufzubewahren, so der Roman.
Einmal mehr stellt sich die Frage: Woher wissen Lincoln, Baigent, Leigh und Brown das alles? Die Autoren berufen sich zunächst auf eine alte Legende, nach der Maria Magdalena in der Provence gestorben sein soll. Das berichtete im 9. Jahrhundert Rhabanus Maurus von Mainz mit Verweis auf ältere Quellen. Jacobus de Voragine schmückte die Sage im 13. Jahrhundert in seiner „Legenda aurea“ weiter aus. Zudem verweisen die Autoren auf Kontakte mit Pierre Plantard, einem angeblichen Grossmeister der Prieuré de Sion, der sich selber als Nachkomme der Merowinger-Könige und damit auch als Nachkomme Jesu verstand. Dumm nur, dass dieser Plantard 1989 des Betrugs und der Dokumentenfälschung überführt wurde. In einem Verhör sagte er unter Eid aus, dass er die Geschichte mit der Prieuré de Sion frei erfunden habe. Als die französischen Behörden Plantards Haus durchsuchten, fanden sie zahlreiche gefälschte Urkunden der
Bruderschaft, darunter solche, die Plantard als den „wahren König von Frankreich“ bezeugen.
Es half alles nichts. Die Verschwörungstheorie von Pierre Plantard, der im Jahr 2000 starb, ist erfolgreicher denn je. Lincoln, Baigent und Leigh zogen ihr Buch nicht etwa zurück, sondern klagten letztes Jahr Dan Brown des Plagiats an. Damit haben sie die Unwissenschaftlichkeit ihrer Thesen allerdings indirekt zugegeben. Denn nur eigene Schöpfungen können plagiiert werden, auf historische Tatsachen gibt es keine Urheberrechte. Schade. Damit ist der Traum von einem Wiederaufleben des ältesten germanischen Königsgeschlechts wohl geplatzt. Dafür können verunsicherte Christen wieder ruhig schlafen.

JUDITH HARDEGGER

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Die Serie "Sakrileg-Decoder" wurde in der Nummer 15/2006 gestartet. Sie bezieht sich auf den Bestseller "Sakrileg" von Dan Brown, befasst sich aber mit Themen, die auch unabhängig vom Roman eigentliche Dauerbrenner sind.