Trauung ernst nehmen
Die Hochzeitsmesse spricht vom „allgemeinen Trend zur dauerhaften Bindung“, bietet deshalb Heiratswilligen Schnuppertanzkurse, Mode- und Frisurenschauen, ja sogar einen Workshop zum Thema „Hochzeitsknigge – wie benehme ich mich richtig am Fest?“. Alles mit dem Ziel, als „Informations- und Verkaufsplattform“ einen „bestmöglichen Start ins Eheglück“ zu ermöglichen. Was hat die Kirche hier zu suchen?
„An der Hochzeitsmesse präsent zu sein war eine logische Folge des Konzeptes der Geh-hin-Kirche“, erklärt Aschi Rutz, Informationsbeauftragter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Für dieses Projekt spricht er auch im Namen der reformierten Kirche: „Flughafenseelsorge, Bahnhofkirche, Projekt Citykirche … das alles sind ökumenische Angebote, welche auf die Menschen zugehen, Kirche dort sichtbar machen, wo die Leute sind“, führt er aus. Deshalb gehöre die Kirche durchaus an eine Hochzeitsmesse – zumal freie Theologen, welche besinnliche Feiern „ohne kirchliche Bindung“ anbieten, schon vor Ort seien.
 Bereits zum sechsten Mal werden die Kirchen an der Zürcher Hochzeitsmesse ihren Stand aufstellen, an ihrer Bar einen „himmlischen Drink“ anbieten und mit einem qualifizierten Team von Theologinnen und Seelsorgern auf Fragen und Anliegen der Menschen eingehen. Das Feedback sei durchwegs positiv: 2006 seien rund 300 Paare und 130 Einzelpersonen für ein Gespräch stehen geblieben – „mehr könnten wir gar nicht verkraften“, meint Rutz. Die meisten interessieren sich für eine Beratung in Bezug auf die eigene kirchliche Hochzeit, erfahren, dass man die Feier selber mitgestalten kann, haben Fragen bei einer ökumenischen oder interreligiösen Heirat. Am Kirchenstand können Texte, Lieder und andere Elemente für die Feier studiert werden. Fragen, auf die es nicht sogleich eine Antwort gibt, werden schriftlich aufgenommen und später bearbeitet. Auch wer nicht am Stand vorbeikommt, kann sich informieren: Mit dem Eintritt zur Hochzeitsmesse bekommen alle nebst Werbematerial der anwesenden Firmen auch eine Karte mit dem Kirchenangebot und deren soeben neu aufbereiteter Website: www.kirchenhochzeit.ch.
„Die Besucherinnen und Besucher sind positiv erstaunt, die Kirchen hier anzutreffen“, hat Aschi Rutz immer wieder erlebt. Und „viele jener Paare, welche sich kirchlich trauen lassen wollen, sind dankbar für konkrete Tipps bezüglich Pfarrer, Kirche und Mitgestaltung“. Dabei gehe es darum, die inneren Anliegen der Paare wahrzunehmen und in den grossen Zusammenhang der Zuwendung Gottes zu stellen. „Die kirchliche Trauung bietet einen geeigneten Rahmen für das, was das Paar verbindet, worauf es hofft, woran es glaubt, worin ihre Liebe gründet. Das Paar ahnt, dass der gemeinsame Weg ein grosses Wagnis bedeutet, und zählt auf die Begleitung von anderen Menschen und Gott“, steht dazu im Grusswort des Messekatalogs von Kirchenratspräsident Ruedi Reich und Generalvikar Paul Vollmar. Und die Kirchen führen über den Beginn des Eheglücks hinaus: Unter dem Motto „Beziehungen bedürfen der Pflege“ weisen sie auch auf die Zeit nach der Hochzeit hin – und dass die Kirchen auch hier die Menschen begleiten. Zum Beispiel mit Anregungen auf www.paarimpuls.ch – und natürlich auf Wunsch durch persönliche Beratung.
BEATRIX LEDERGERBER