Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Zürcher Caritas-Preis 2006

Saubere Jungs für saubere Fenster

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Caritas Zürich hat das Projekt „Saubere Jungs für saubere Fenster“ der evangelisch-reformierten Jugendkirche streetchurch mit dem Zürcher Caritas-Preis 2006 ausgezeichnet. Damit würdigt sie ein innovatives Projekt, das jungen Menschen hilft, sich aus der Armut zu befreien.

Was will das Projekt „Saubere Jungs für saubere Fenster“?
Simon Obrist: Unser Projekt bietet jungen Menschen, die auf dem öffentlichen Markt wenig bis gar keine Chance haben, Arbeitsmöglichkeiten an. Wir betrachten die gesamte Lebenssituation, das ist unsere Stärke. Die Problemfelder unserer Teilnehmer sind ausnahmslos multiple. Das macht die Aufgabe anspruchsvoll. Wir stellen oftmals fest, dass ein Scheitern bei einer neuen Lehr- oder Arbeitsstelle schon vorprogrammiert ist, wenn die Bereiche Wohnen, Freizeit, Finanzen oder Beziehungen nicht stabil sind. In der streetchurch haben wir ein Team von Seelsorgern und Beratern, die dann zum Einsatz kommen. Parallel zu den Arbeitsaufträgen laufen diese Triagearbeiten mit Ämtern, Psychologen, Therapien oder Fachstellen. Unser Ziel ist es, dass die Jungen ihr Leben selbstständig und sauber auf die Reihe kriegen.

Wie können Jugendliche durch das Projekt „Saubere Jungs für saubere Fenster“ sozial aufsteigen? Erzählen Sie uns von einem Beispiel.
Ein junger Mann, 22-jährig, kommt zu einem Aufnahmegespräch zu mir. Er erzählt von seinem Sekundarschule-A-Abschluss, den er vor sechs Jahren machte. Eine Lehre hat er nie absolviert. Denn für seinen Vater stand fest, dass er schnellstmöglich arbeiten und Geld nach Hause bringen soll. Er hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser: als Fitnesstrainer und mit Kampfsport-Auftritten. Nach einem ersten Gespräch wurde mir klar: Dieser Jugendliche braucht jemand, der ihn an der Hand nimmt und Schritt für Schritt seine Zukunft plant. Eine professionelle Berufsberatung soll zuerst zeigen, wo die Chancen und Grenzen liegen. Der soziale Aufstieg bis zur Selbstständigkeit gelingt oder scheitert oft an einer guten Einbettung, die Heimat, Informationen und Entwicklungsmöglichkeiten vermittelt. Die einen finden den Tritt im offenen Markt. Andere führt der Weg über ein Praktikum, eine Therapie oder einen geschützten Arbeitsplatz. Bei uns fanden dieses Jahr neun Jugendliche eine passende Anschlusslösung.

Woher kommen die Jugendlichen, die in Ihrem Projekt tätig sind?
Neben der Mund-zu-Mund-Propaganda lösen auch Inserate in den Zeitungen ein grosses Echo aus. Obwohl wir damit eigentlich Kunden suchen, melden sich viermal so viele Menschen, die Arbeit suchen. Unsere Teilnehmer setzen sich aus 16- bis 30-Jährigen zusammen. Trotz des Slogans „Saubere Jungs für saubere Fenster“ arbeiten auch junge Frauen bei uns. Schaut man auf die Herkunftsländer, so setzen sich die Einsatzteams zuweilen aus allen fünf Kontinenten zusammen. Übrigens auch aus Schweizern.

Was bedeutet für Sie der Zürcher Caritas-Preis?
Der Zürcher Caritas-Preis ist für uns eine wichtige Ermutigung – und natürlich eine riesige Ehre! Solche Zeichen des Vertrauens tun gut. Denn der Alltag ist auch immer wieder mit Enttäuschungen und Rückschlägen verbunden. Dass uns jetzt ausgewiesene Fachpersonen von Caritas Zürich diese Auszeichnung zuteilen, ruft uns aber auch in die Pflicht, diesen Weg weiterzugehen. Was vor knapp zwei Jahren still und klein begann, ist inzwischen für viele zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden. Dieses Jahr waren 25 Teilnehmer bis zu 100 Stunden pro Woche mit Putz-, Entsorgungs- und Zügelaufträgen im ganzen Kanton Zürich beschäftigt. Die Legitimation dieser Arbeit sehen wir durch den Caritas-Preis und die hohe Nachfrage bestätigt. Unser erklärtes Ziel ist es, das Projekt in einen festen Status zu führen. Dafür benötigen wir bis im Mai 2007 um die 100 000 Franken.

INTERVIEW: DANIELLE SILBERSCHMIDT

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Simon Obrist leitet das Projekt "Saubere Jugens für saubere Fenster".

Kontakt: fenster@streetchurch.ch,

Telefon 078 862 31 39