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Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 2, 2007 Manchmal ist aller Anfang schwer
„schulstart+“ für Migrantenkinder

Manchmal ist aller Anfang schwer

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Das neue Projekt „schulstart+“ will Kindern mit Migrationshintergrund und ihren Eltern jene Kenntnisse und Grundwerte vermitteln, die bei uns für die Einschulung wichtig sind. Soziale Integration soll so früh wie möglich beginnen.

Die dreijährige Filipa klammert sich an die Spielgruppenleiterin und schaut schüchtern zu Tiago. Tiago ist fünf Jahre alt und erzählt den kleineren Kindern, was man im Kindergarten so alles bastelt. „Das, wo mer da mached, isch nume Chinderkram …“, meint er mit einem breiten Lachen. Er spricht Schweizerdeutsch, darum verstehen ihn Filipa und die meisten anderen Kinder nicht. Die Spielgruppe, in der sie sich gerade befinden, ist ein Teil des Projektes „schulstart+“ der Caritas Zürich.

BESSERER START
„schulstart+“ setzt sich zum Ziel, Kindern mit Migrationshintergrund einen besseren Start in die Kindergarten- und Schulzeit zu ermöglichen. Um möglichst viele zu erreichen, sind die Kosten für den Kurs mit 20 Franken sehr tief angesetzt. Dazu finden die Kurse in der jeweiligen Muttersprache der Teilnehmenden statt. Für kulturell gemischte Gruppen wird das Angebot in Deutsch durchgeführt.
Im Raum neben der Spielgruppe nehmen die Eltern von Tiago und Filipa an einem Kurs teil, heute zum Thema „Vorbereitung auf den Kindergarten“. Die brasilianische Leiterin Verbena erklärt, warum Spielen für das spätere Lernen in der Schule so wichtig ist. Sie spricht Portugiesisch, die brasilianischen und portugiesischen Teilnehmenden verfolgen gespannt deren Ausführungen. „Sändele“ soll also spätere Rechenfähigkeiten fördern? Erstaunt setzt hier eine Mutter ein Ausrufezeichen in ihre Kursunterlagen.
Joana ist 20 Minuten zu spät gekommen und will wissen, worum es eigentlich geht. „Ich kann es dir in der Pause erklären, aber das nächste Mal musst du pünktlich sein. Das ist hier in der Schweiz sehr wichtig“, sagt die Kursleiterin. „Auch die Kinder müsst ihr unbedingt pünktlich in den Kindergarten bringen, sonst kann die Kindergärtnerin mit ihrem Programm nicht beginnen.“

GROSSER ERFOLG
Der erste „schulstart+“ ist ein grosser Erfolg. Für die Eltern ist vieles neu, obwohl einige Kinder schon den Kindergarten besuchen. In Portugal und Brasilien laufen die Dinge eben ganz anders als in der Schweiz. Viele Eltern sprechen kaum Deutsch und verstehen deshalb am Elternabend oder bei Gesprächen mit der Kindergärtnerin wenig. „Einen Deutschkurs kann ich mir nicht leisten“, sind einige überzeugt. Dies zeigt, dass viele Angebote nicht bekannt sind, gibt es doch auch preiswerte Deutschkurse. Daher werden einige dieser Angebote im „schulstart+“ vorgestellt: so auch die Mütter- und Erziehungsberatung, das Muki-Turnen, die Ludothek oder zahlreiche familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten.
Dennoch werden solche integrative Dienstleistungen von häufig bildungsfernen Migrantenfamilien wenig genutzt, auch auf Grund der grossen Hemmschwelle. „schulstart+“ stellt deshalb den Erstkontakt her, indem Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Stellen ihr Angebot vorstellen. Manchmal geht die Kursleiterin mit den Teilnehmenden in einen Kindergarten, eine Waldspielgruppe oder eine Ludothek besuchen.

UNTERSCHIEDLICHE CHANCEN
Auch heute noch sind die Chancen der Kinder beim Eintritt in den Kindergarten sehr unterschiedlich: So sind Migrantenkinder in der Sek C markant übervertreten, was sich vor allem auf sprachliche und kulturelle Barrieren zurückführen lässt. Die 4-jährige Sara, die nächstes Jahr in den Kindergarten kommt, spricht kein Wort Deutsch. Zudem gibt es bei ihr zu Hause wenig Kinderbücher und kein Bastelmaterial. Gerade diese Voraussetzungen sind aber für einen erfolgreichen Start sehr wichtig, und hier setzt „schulstart+“ auch an.
Neben vielen Anregungen haben die Teilnehmenden in der Kursleiterin Verbena auch eine neue Ansprechperson gefunden. Jemand, der nicht nur ihre Kultur kennt und ihre Sprache spricht, sondern der sich auch in der Schweiz und mit dem schweizerischen Kindergarten- und Schulsystem auskennt und der den Sinn und Zweck der vielen verschiedenen Institutionen erklären kann. In der Pause und nach dem Kurs wird Verbena denn auch mit zahlreichen Fragen konfrontiert.

„Gibt es auch Spielgruppen für Jorge?“, möchte Inês wissen, deren Sohn körperlich leicht behindert ist. Eine andere Mutter interessiert sich für Alphabetisierungskurse auf Portugiesisch. Daneben steht Joana mit ihrer Tochter und möchte wissen, wo man das eben verwendete Bastelmaterial kaufen kann. Die Kursleiterin Verbena gibt gerne Auskunft. Denn die vielen Fragen sind ein gutes Zeichen dafür, dass „schulstart+“ die gewünschte Wirkung zeigt.

Ã…SA KELMELING, PROJEKTLEITERIN
„SCHULSTART+“, CARITAS ZÜRICH

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Der erste „schulstart+“ hat im Herbst 2006 auf  Portugiesisch stattgefunden. Geplant sind für 2007 Kurse auf Türkisch, Tamilisch, Albanisch und in weiteren Sprachen unter anderem in Dübendorf und Winterthur. An jedem Kurs nehmen zehn bis zwölf Erwachsene und zirka 15 Kinder teil. Ein Kurs dauert acht Wochen und findet einmal pro Woche während 2 Stunden statt. Für einen eventuellen Ausbau in weitere Gemeinden werden Bedarfsabklärungen gemacht.


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