TAGESGEBET
Wir kennen die Tagesschau, die Tageszeitung; aber ein Tagesgebet? Der Eröffnungsteil der Messe wird mit dem Tagesgebet abgeschlossen. Dieses Gebet (Oration) wird auch als „Collecta“ bezeichnet, denn es ist ein Sammelgebet, das die vielfältigen Anliegen zusammenfasst. Das Tagesgebet hat folgende Struktur: Gebetseinladung – Gebetsstille – Oration – Antwort. Nach der Einladung „Lasst uns beten“ folgt eine Gebetsstille. Die Gemeinde ist eingeladen, sich an ihre persönlichen Anliegen zu erinnern und diese jetzt vor Gott zu tragen. Leider wird diese Zeit der Stille nur ganz selten vom Priester den Mitfeiernden geschenkt; sie ist neu zu entdecken! Nach der Gebetsstille fasst die Oration die Anliegen aller zusammen. Als Beispiel dient uns ein Tagesgebet aus der Osterzeit. Eine solche Oration beginnt mit einer Anrede, die an Gott gerichtet ist: Gott, unser Vater. Die nachfolgende Aussage will voller Dankbarkeit an Gottes Heilstaten erinnern: Du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Darauf folgt die Bitte: Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit. Diese Bitte wird mit der Mittlerformel abgeschlossen, denn christliches Beten geschieht immer durch Christus im Heiligen Geist: Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Die Gemeinde macht sich dieses Gebet zu eigen und antwortet zustimmend: Amen.
JÜRG STUKER, LITURGISCHES INSTITUT