Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Musikwissenschaftliches Institut der Universität Zürich

Gregorianische Fundgrube

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Das musikwissenschaftliche Institut der Uni Zürich verfügt über eine bedeutende Sammlung lateinisch-liturgischer Gesangbücher und eine grosse Notensammlung liturgisch-musikalischer Werke. Ein Blick in die Bibliothek.

Die Treppen sind steil und eng, die Gänge verwinkelt: An der Florhofgasse 11 in Zürich scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das aufwändig renovierte Gebäude aus dem 17. Jahrhundert empfängt seine Besucher mit dem Charme vergangener Zeiten. Die Bibliothek ist umfangreich, neben Standardwerken zur Musik ist sie bespickt mit Raritäten.
Einen Schwerpunkt bildet die Gregorianik, die einstimmigen liturgischen Gesänge in lateinischer Sprache. Bernhard Hangartner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich älterer Musik und Forschungsstellenleiter des Nationalfonds-Projekts „Musik in Zürich“, ist fasziniert von ihrer Komplexität: „Die Überlieferung der Gregorianik im engeren Sinne beginnt im siebten Jahrhundert in mündlicher Form, später wurden nur die Texte niedergeschrieben und etwa seit dem 10. Jahrhundert sind Text und Noten schriftlich vorhanden. Bis heute werden die gleichen Lieder gesungen wie damals, die Entwicklungsgeschichte kann bis zu den Wurzeln zurückverfolgt werden.“
Während bezüglich des gregorianischen Repertoires Komponisten dem Namen nach kaum bekannt sind, kennt man in der Kirchenmusik ab dem 12. Jahrhundert Namen wie Leonin und Perotin. Im 14. Jahrhundert schrieb Guillaume de Machaut eine bedeutende Messe, ab dem 15. Jahrhundert folgten Guillaume Dufay, Josquin Desprez, Palestrina, Andrea und Giovanni Gabrieli und Monteverdi. Eine weitere Blüte erreichte die Kirchenmusik im Barock mit Bach und Telemann, in der Klassik mit Haydn, Mozart und Beethoven. Für die Romantik können  Schubert, Bruckner und Brahms genannt werden. Mit Komponisten wie Arvo Pärt, Krystof Penderetzki und Schweizern wie Paul Huber und dem noch lebenden Zuger Carl Rüti findet die liturgische Musik heute ihre Fortsetzung.

WERTVOLLE FAKSIMILE
Originale Handschriften alter Musik besitzt das musikwissenschaftliche Institut zwar keine, doch auch die zahlreichen Faksimilia in Farbe und mit Goldverzierung sind von grossem Wert. Dazu gehören unter anderen der Codex 121 von Einsiedeln, die Codices 381 und 484 von St. Gallen oder der Codex des Frauenklosters Las Huelgas in Burgos. „Faksimiles ermöglichen zwar, einem Werk auf die Spur zu kommen, aber ein Original in den Händen zu halten, ist immer ein speziell eindrückliches Erlebnis“, meint Hangartner. Auf der Basis der Originale und der Faksimiles werden die Editionen erstellt, diese wiederum werden ergänzt durch Sekundärliteratur. Vieles ist auch auf Tonträgern oder Mikrofilm vorhanden.
Hangartner ist ein Sammler. Gerne erinnert er sich an seine „Tour de Suisse“ durch verschiedene Klöster auf der Suche nach Handschriften, Fragmenten oder lateinischen Gesangbüchern. Inzwischen sind die meisten in der Schweiz vertretenen Orden mit ihren liturgisch-musikalischen Büchern in der Bibliothek zu finden. Besonders stolz zeigt Hangartner das grossformatige und schwergewichtige Werk der Kartäuser, erklärt Notenschrift und Text – und verschliesst es wieder sicher im Schrank der Compactus-Anlage. Einiges ist nur mit Schlüssel zugänglich an der Florhofgasse 11. Schätze vergangener Zeiten, die mit jeder musikalischen Aufführung Gegenwart werden.

PIA STADLER

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Die Bibliothek des musikwissenschaftlichen Instituts ist von Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet und für alle Musikintressierten zugänglich. Florhofgasse 11, 8001 Zürich;

Telefon 044 634 47 61.



Lateinische Kirchengesangsbücher, die nicht mehr benutzt werden, werden gerne entgegengenommen.



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