Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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3. Sonntag im Jahreskreis (21. Januar)

Fortsetzung folgt …

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Wer am Wochenende vom 20./21. Januar den Gottesdienst besucht, der wird mit einem prickelnden Cliffhanger belohnt. So nennt man in Abenteuerserien jene Momente, in denen der Held scheinbar rettungslos in der Steilwand hängt und weder vorwärts noch rückwärts kann. Während ihn allmählich die Kräfte verlassen, ist die Folge zu Ende – und so sicher wie das Amen in der Kirche werden wir beim nächsten Mal wieder einschalten.
Genau dieser Spannungsdramaturgie wird der Evangelientext an diesem Wochenende folgen. Zunächst beginnt es recht harmlos: Jesus kehrt als junger Mann, dem bereits der Ruf als Wundertäter vorauseilt, in seine Heimatstadt Nazaret zurück. Er geht dort wie gewohnt in die Synagoge, und als er an die Reihe kommt, aus der Schrift vorzulesen, schlägt er das Buch des Propheten Jesaja auf: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“
Zur Deutung dieser Stelle erklärt Jesus schlicht und umwerfend: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Damit endet die Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis. Ausgerechnet jetzt, wo es spannend geworden wäre. Wie haben die Zuhörer auf diese Provokation reagiert? Gibt Jesus weitere Erklärungen ab? Fortsetzung folgt – eine Woche später am 4. Sonntag im Jahreskreis.
Und diese Fortsetzung setzt – wie sich das für einen gekonnten Spannungsbogen gehört – noch einen drauf. Die nächste Folge aus dem Lukasevangelium birgt Dramatik und Überraschung pur: Zunächst sind die Zuhörer begeistert. „Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete.“
Mitten in diese Begeisterung lässt Jesus eine weitere brisante Bemerkung fallen: „Sicher werdet ihr mir (jetzt) das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so grosse Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!“ Es ist anzunehmen, dass der Beifall vorübergehend sogar noch heftiger wurde.
Aber dann folgt der jähe Stimmungsabfall, von Jesus vorsätzlich selbst inszeniert. Er verweigert sich der Erwartungshaltung, die er selbst geschürt hat: „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Wie ein Arzt gebärdet er sich, der zwar die richtige Diagnose stellt, sich danach aber weigert, auch die wirksamen Medikamente zur Heilung herauszurücken. Salopp ausgedrückt: Ich bin zwar der Messias, aber bei euch verstockten Seelen fang ich damit gar nicht erst an.
Was lernen wir daraus? Mindestens drei Dinge: Erstens wird die Redensart vom Propheten, der im eigenen Lande nichts gilt, meist falsch verwendet, denn in ihrem Ursprung ist es der Prophet selbst, der sich verweigert. Zweitens mag Jesus blaue Augen gehabt haben, ein Sirupjüngling war er mit Sicherheit nicht, eher ein aufreizender Provokateur und Rebell. Und drittens würde es nichts schaden, wenn unsere Gottesdienste regelmässig mit einem Cliffhanger enden würden. Damit wären wir praktisch gezwungen, am folgenden Wochenende wieder zu kommen.
Der kurze Ausblick auf kommende Folgen jedenfalls klingt verheissungsvoll: Nachdem Jesus seine Provokation ausgesprochen hat, brodelt es in Nazaret. Jesus lebt gefährlicher denn je. Fortsetzung folgt …

THOMAS BINOTTO

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„Da begann er, ihnen darzulegen: ‚Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, efüllt.“ Lukas 4,21. FOTO: CHRISTOPH WIDER