Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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DAS KLEINE LITURGIE 1x1

LEKTIONAR

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In frühchristlicher Zeit wurde im Gottesdienst aus der Schrift vorgelesen „solange es die Zeit erlaubt.“ – Ein Zitat aus dem zweiten Jahrhundert! Bald entwickelte man jedoch Leseordnungen und erstellte entsprechende Bücher, die man Lektionare nannte (lectio = Lesung). Selbstverständlich gab es dafür den Dienst eines Lektors. Das Festhalten am Latein und eine zunehmend legalistische Regelung der Liturgie führten im Spätmittelalter aber dazu, dass der Priester alle Teile selber lateinisch lesen musste, damit die Messe gültig gefeiert werden konnte. Dafür reichte ein einziges Buch (Messbuch oder Rituale), in dem nun alle nötigen Texte standen. Die Verkündigung und Erklärung der Bibel fand damit de facto nicht mehr in der Feier statt. Sie musste durch Volksmessbücher, Predigt und Katechismus kompensiert werden.
Die Konzilsväter haben die Schatzkammer der Bibel wieder weit öffnen wollen. Hierfür knüpften sie an die altkirchliche Praxis an. Die für die verteilten Rollen (Lektorinnen und Lektoren, Kantorinnen und Kantoren, Mitfeiernde) erforderlichen Bücher wurden wieder eingeführt, also Lektionar, Vorsängerbücher und neu auch Kirchengesangbuch. Das Lektionar enthält in schöner Buchform alle biblischen Verkündigungstexte einer Gottesdienstform. Es trägt dazu bei, dass der Dienst der Verkündigung der Heiligen Schrift in jedem Gottesdienst sein gebührendes Gewicht erhält und ebenso würdig wie wirkungsvoll vollzogen werden kann.

PETER SPICHTIG OP
LITURGISCHES INSTITUT

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