Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Edition NZN bei TVZ

Bücherwurm auf der Suche nach Nahrung

Artikelaktionen
Andreas Diederen ist Lektor bei der Edition NZN beim Theologischen Verlag Zürich. Er berichtet über seinen Arbeitsalltag und gewährt Einblicke in die Welt der Bücherproduktion.

„Neue Zürcher Nachrichten“ verbirgt sich hinter dem Kürzel NZN. So hiess einst die katholische Zeitung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen worden war. Der gleichnamige Buchverlag wurde 1946 gegründet, 2005 übernahm der Theologische Verlag Zürich TVZ die Buchproduktion unter dem Label „Edition NZN bei TVZ“. Dieses Zusammengehen hatte sich insofern angeboten, als schon vorher Kooperationen bestanden haben.

forum: Herr Diederen, fühlen Sie sich als Katholik beim reformierten TVZ nicht fremd?
Andreas Diederen: Überhaupt nicht. Die Inkorporation des NZN in den TVZ bewährt sich bestens, die Zusammenarbeit ist für beide Seiten sehr bereichernd. Am Verlagstisch entstehen immer wieder spannende Gespräche über konfessionelle Eigenheiten. Und ich bin ja auch nicht der einzige Katholik hier. Frau Auf der Maur, die für die Pressearbeit zuständig ist und auch Lektorat macht, ist ebenfalls katholisch wie auch Rolf Siegenthaler und unsere Buchhalterin.

Sie selbst sind Lektor. Was tun Sie?
Zum Lektorieren gehört nicht nur das Korrigieren von Schreibfehlern, sondern man muss auch inhaltlich genau hinschauen, ob irgendwo etwas unklar formuliert ist, ob es Gedankensprünge gibt oder ob gewisse Dinge doppelt und dreifach gesagt sind.

Und da lassen sich alle Autorinnen und Autoren eines Besseren belehren?
Die meisten sind dankbar, wenn man ihnen hilft. Ein schöner Text ist ja in ihrem Interesse.

Müssen Sie auch auf Autorensuche gehen?
Ja, das gehört mit dazu. Dabei ist es wichtig, auf ein möglichst breites Netzwerk von persönlichen Kontakten zurückgreifen zu können. Da ich vorher acht Jahre lang als Pastoralassistent in Davos gearbeitet habe, konnte ich bereits viele Kontakte knüpfen, sei es zur Hochschule in Chur oder zu verschiedenen Leuten des Bistums.
Die Autorensuche ist auch eine wichtige Aufgabe unseres Beirates. Diesem gehören Personen an, die in verschiedensten Institutionen tätig sind und alle ihre je eigenen Netzwerke haben. So kommt eine bunte Palette möglicher Themen, beziehungsweise möglicher Autorinnen und Autoren zusammen.

Wie wird man eigentlich Lektor? Kann man das studieren?
Ein eigenes Studium gibt es nicht, nur Fortbildungskurse. Ich selber bin Theologe, sehr viele Leute im Verlagswesen haben Germa-nistik studiert. Die wichtigste Voraussetzung für die Lektorentätigkeit ist die Freude am Lesen, an der Sprache und natürlich am Fachgebiet, in dem man lektoriert.
Man muss sich immer auf dem Laufenden halten, was an Tagungen, Vortragsreihen und sonstigen Veranstaltungen läuft. Auch einen Blick auf die übrige publizistische Landschaft sollte man immer wieder werfen, um mitzubekommen, welche Themen in der Öffentlichkeit von Interesse sind oder wo es allenfalls Marktlücken zu füllen gibt.

Wie gefällt Ihnen diese Arbeit?
Es ist hoch spannend, denn ich habe nicht nur mit interessanten Büchern zu tun, sondern immer auch mit den Menschen, die hinter diesen Büchern stehen. Dadurch entstehen viele Kontakte, die ich als sehr bereichernd empfinde.

Mit welchen Institutionen bestehen Kooperationen?
In der Edition NZN bei TVZ erscheinen Publikationsreihen des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institutes SPI, des Pastoralinstituts in Chur, des ökumenischen Instituts in Luzern und der Paulus-Akademie Zürich.

Sind solche Publikationsreihen interessanter für den Verlag als Einzelpublikationen?
Interessanter kann man nicht sagen. Natürlich sind Reihen wichtige Stützen für uns. Doch es kommt auf eine gute Mischung an. Gäbe es nur Reihen, so würde dem Verlag einiges an Profil fehlen, zumal Reihen meist Sammelbände sind. Die Edition NZN wird erst richtig vielfältig und bunt, wenn sie auch schöne Monografien herausbringt.

Wie würden Sie denn das Profil der Edition umschreiben?
Hauptthemen der Edition sind Kirche Schweiz, kirchliche Praxis und Kirchengeschichte. Viele Titel richten sich dabei an Fachtheologen, obwohl es durchaus auch Titel gibt, die für eine breite Leserschaft gedacht sind. Das Büchlein von Giuseppe Alberigo über das Zweite Vatikanische Konzil beispielsweise ist nicht nur sehr spannend, sondern auch leicht verständlich. Dasselbe gilt für Albert Gassers Buch über die Synode 72. Grundsätzlich kann man sagen: Die Edition will sich einsetzen für eine offene katholische Kirche im Geiste des Zweiten Vatikanums.

Welche Themen nehmen Sie nicht in die Edition auf?
Themen, die nur für einen engen Kreis von Wissenschaftlern gedacht sind. Dafür sind wir nicht das richtige Gefäss. Eine etwas weiter gefasste wissenschaftliche Diskussion hat aber durchaus Platz. So haben wir vor kurzem ein Buch über Simone Weil herausgebracht, dessen Beiträge auf eine Hochschultagung zurückgehen, die auch für interessierte Laien offen war. Entsprechend sind die Aufsätze verfasst.

Also publizieren Sie keine Doktorarbeiten?
Doch. Allerdings nur dann, wenn sie für alle interessant sein können und in einer allgemein verständlichen Sprache verfasst sind.

Welches sind Ihre grössten Verkaufsschlager?
Der Band „Hirtenstab und Hellebarde“ über die Schweizergarde läuft sehr gut, die erste Auflage ist schon fast vergriffen. Auch die ökumenische Arbeitshilfe „Wenn Geburt und Tod zusammenfallen“ verkauft sich bestens. Ebenso das Büchlein von Martin Odermatt „Ich wurde zu Sand und Wasser“. Es musste nach kürzester Zeit neu aufgelegt werden.

Wie gut ist es abschätzbar, ob sich ein Buch verkaufen wird?
Das ist nur sehr schwer abzuschätzen, weshalb man sich manchmal ganz schön verkalkulieren kann.

Wie funktioniert das denn mit der Finanzierung? Werden Autoren vorfinanziert?
In der Regel können wir als Verlag den Autoren keine Honorare zahlen. Vielmehr müssen die Autoren sich an der Finanzierung beteiligen. In der Regel nicht aus ihrer privaten Tasche, sondern mit Hilfe von Sponsoren. Das ist nicht nur bei uns so, sondern ist im theologischen Sachbuch- und Wissenschaftsbereich der Normalfall. Erst ab einer gewissen Auflagenzahl, das kann ab 1000 oder 2000 sein, zahlt man Honorar. Ein solches kann als Pauschale oder pro verkauftes Exemplar ausgemacht werden. Der für Bücher der Edition NZN mit Abstand wichtigste Sponsor ist die katholische Synode Zürich.

Und was steht in nächster Zukunft an?
Für 2008 sind zwei Projekte vom SPI in der Pipeline. Einmal ein Handbuch zum interreligiösen Dialog – wo geschieht interreligiöser Dialog? worauf muss man achten, wenn man eine solchen lancieren will? – Zum anderen ein Buch von Alfred Dubach als Mitherausgeber, bei dem es um religiöse Familienrituale in der Schweiz geht.

INTERVIEW: JUDITH HARDEGGER

www.tvz-verlag.ch

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Andreas Diederen (38) ist Theologe und Lektor für die Edition NZN bei TVZ. Daneben schreibt er an der Theologischen Hochschule Chur seine Doktorarbeit über die Rezeption des Alten Testaments in der Offenbarung des Johannes. FOTO: CHRISTOPH WIDER
Neuerscheinungen in der Edition NZN bei TVZ

Martin Müller: „Die katholischen Pfarreien im Zürcher Oberland. Geschichte ihres Wiederaufbaus im 19. Und 20. Jahrhundert.“

Christoph Gellner (Hrsg.): „Paar- und Familienwelten im Wandel. Neue Herausforderungen für Kirche und Pastoral“.

Giuseppe Alberigo: „Die Fenster öffnen. Das Abenteuer des Zweiten Vatikanischen Konzils.“

Adrian Loretan-Saladin, Toni Bernet-Strahm (Hrsg.): „Das Kreuz der Kirche mit der Demokratie. Zum Verhältnis von katholischer Kirche und Rechtsstaat.“


Vorschau

Simon Peng-Keller, Albert Schmucki (Hrsg.): „Aufbruchsfreude und Geistesgegenwart. Gestalten einer erneuerten christlichen Spiritualität.“ Oktober 2007.

Manfred Belok, Ulrich Kropac (Hrsg.): „Seelsorge in Lebenskrisen. Pastoralpsychologische, humanwissenschaftliche und theologische Impulse“. November 2007.