Katholisch-Sein früher und heute …
Ursprünglich zunächst der Pfarrei Peter und Paul in Zürich und später der „Missionsstation“ Horgen zugeordnet, wurde Männedorf 1882 selbst „Mutterpfarrei“ für die Katholikinnen und Katholiken am rechten Zürichseeufer, von Zollikon über Meilen und Stäfa bis nach Hombrechtikon und Egg.
AUSSTELLUNG IN DER VILLA LIEBEGG
Der längste und zeitlich aufwendigste Anlass des Jubiläumsjahres ist die historische Ausstellung „Katholisch-Sein früher und heute: Pfarrei St. Stephan Männedorf-Uetikon“. Ganz im Sinne einer „Geh-hin- Kirche“ findet die zweiwöchige Veranstaltung vom 7. bis 23. September nicht in den eigenen Mauern des Pfarreizentrums, sondern in der Villa Lieb-egg, dem Männedörfler Ortsmuseum, statt. Die Historikerin Franziska Hälg-Steffen, die dem Pfarreirat St. Stephan angehört, hat die Gesamtleitung übernommen und das Ausstellungskonzept entwickelt. Die Kenntnis der aktuellen örtlichen Verhältnisse erwies sich für diese Aufgabe als ausgesprochen wertvoll. Zwar gehören Rückblicke zu einem Museumsbesuch: solche, die die Pfarrei konkret betreffen (Bau und Renovation der Kirche – die erste katholische übrigens, die an der „Goldküste“ nach der Reformation erstellt wurde –, Meilensteine und Entwicklungen im Pfarreileben, Fotos von Pfarreianlässen, usw.), und solche, die den Wandel des katholischen Lebens ganz allgemein beschreiben (Übergang von einer geschlossenen katholischen Welt zum Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, Erneuerung der Liturgie, Entwicklung neuer Methoden in der Katechese etc), immer eingebettet in den gesellschaftlichen Zusammenhang. Bedeutsam aber ist doch auch der Blick auf Gegenwart und Zukunft. Diese Perspektive hatte die Ausstellungsmacherin von Anfang an im Auge. So finden sich immer wieder Hinweise auf das aktuelle Leben in der Pfarrei: Pfarreigruppen stellen sich vor, die Ökumene erhält Raum, kurze Statements von Pfarreimitgliedern beschreiben heutiges Erleben. Abgerundet wird die Ausstellung durch vier profilierte Veranstaltungen, die unterschiedliche Aspekte des Katholisch-Seins auf je eigene Art beleuchten (siehe Kasten).
Zugegeben: ein gewaltiges Unterfangen für eine Pfarrei, sich selbst in sechs Räumen darzustellen, und dies nur mit eigenen Kräften. Ein hilfreiches Unterfangen aber ist es allemal auch, weil es die Chance bietet, die eigene Identität neu zu hinterfragen.
ROLF BEZJAK