Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Marienfeste und ihr Hintergrund

Volksfrömmigkeit und Kirchenpolitik

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Am 15. August feiert die katholische Kirche „Mariä Himmelfahrt“. Die Marienverehrung hat nicht nur eine lange und populäre Tradition, sie war auch Zankapfel in der Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen.

Bereits im 2. Jahrhundert waren sich die Theologen über Maria nicht einig. Sie wurde nicht einhellig verehrt, sondern sogar mit einer „ungläubigen Synagoge“ verglichen. Aus dem 4. Jahrhundert ist dann aber doch ein erstes grosses Marienlob überliefert, dem seither unzählige weitere gefolgt sind. Auf dem Konzil von Ephesus einigte man sich 431 schliesslich darauf, Maria als Gottesgebärerin zu verkünden. Für die spätere Marienverehrung war damit, zusätzlich zu den biblischen Quellen, ein wesentlicher Grundstein gelegt.
Im Mittelalter wurde Maria zum eigentlichen Idealbild der Frau. Bereits damals wurden Maiandachten gefeiert, wohl um alte Frühlingsfeiern mit neuem, christlichem Gehalt zu füllen, aber erst im 19. Jahrhundert fanden sie in Italien zu ihrer jetzigen Form und verbreiteten sich nach und nach in der ganzen katholischen Kirche.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Marienverehrung immer vielfältiger, und es entfaltete sich ein Marienbild, das längst nicht mehr nur aus biblischen Quellen schöpfte. Vor allem die Rolle Marias als Vermittlerin zwischen Mensch und Gott wurde immer gewichtiger. Dabei kam es auch zu übersteigerter Anbetung Marias, von der man sich für sämtliche Lebenslagen wunderbare Hilfe erhoffte.
Die Marienverehrung hatte im Laufe des Mittelalters ein derart starkes Gewicht bekommen, dass sich während der Reformationszeit viele Diskussionen am jeweiligen Marienbild entzündeten. Dabei richtete sich die Reformation zunächst nicht gegen die Hochschätzung Marias als Gottesmutter.
Luther kritisierte vor allem ausufernde theologische Vorstellungen und wild wuchernde Volksfrömmigkeit, welche die Verankerung in Christus und der Heiligen Schrift zu verlieren drohte. Aber Martin Luther hat ausdrücklich am Glauben an die Jungfräulichkeit Marias festgehalten und er wollte Maria „in die Ehre setzen, in die Gott sie gesetzt hat“. Leider führten die verschiedenen Sichten aber nicht zu fruchtbaren Auseinandersetzungen, sondern zu verhärteten Grenzen.
Die katholische Kirche reagierte auf die reformatorischen Angriffe, indem sie die marianische Frömmigkeit erst recht pflegte. So fanden eine ganze Reihe von Marienfesten erst nach der Reformation Aufnahme im Kalender. Ausgerechnet die Marienverehrung wurde damit zum Zankapfel zwischen den Konfessionen. Die Verkündigung der katholischen Dogmen von der „Unbefleckten Empfängnis“ (1854) und der „leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel“ (1950) brachte erwartungsgemäss keine Annäherung.
Erst in jüngerer Zeit findet auch über die Marienverehrung ein ökumenischer Dialog statt. Im evangelischen Erwachsenenkatechismus (1989) steht beispielsweise: „Maria ist nicht nur ‚katholisch‘; sie ist auch ‚evangelisch‘. Protestanten vergessen das leicht. Aber Maria ist ja die Mutter Jesu, ihm näher als seine nächsten Jünger.“
Auch der katholische Erwachsenenkatechismus (ebenfalls 1989) nimmt diesen Gedanken auf, wenn es dort heisst: „Maria gehört ins Evangelium.“ Die katholische Kirche hat ihrerseits die Marienverehrung eingedämmt und einige Marienfeste zurückgestuft oder gar aus dem Kalender gestrichen.

WAS GEBLIEBEN IST
Zu den wichtigsten Marienfesten gehört heute das Fest „Mariä Erwählung“ am 8. Dezember. Dieses Fest ist inhaltlich zu unterscheiden von „Mariä Verkündigung“. „Mariä Erwählung“ ist verknüpft mit dem Dogma, dass bereits „Maria durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes vor jedem Makel der Erbschuld bewahrt worden ist“.
Ein weiteres Marienfest, das heute wieder stärker den Charakter eines Christusfestes hat, ist „Mariä Lichtmess“ (2. Februar). Es heisst offiziell „Darstellung des Herrn“ und erinnert daran, dass nach dem jüdischen Gesetz eine Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Knaben als unrein galt und für sie deshalb ein Reinigungsopfer dargebracht werden musste. Zudem wurde der erstgeborene Knabe als Eigentum Gottes angesehen und musste mit einem Geldopfer ausgelöst werden. Diese „Darbringung im Tempel“ wird vom Evangelisten Lukas beschrieben und seit dem frühen Mittelalter als Fest gefeiert. Nach altem Brauch werden an diesem Tag in katholischen Kirchen Kerzen gesegnet (Lichtmess), die Schutz und Hilfe in Nöten bieten sollen.
Bereits im 6. Jahrhundert wurde am 25. März – genau neun Monate vor Weihnachten – unter dem Titel „Mariä Verkündigung“ die Empfängnis Jesu gefeiert. Den bedeutendsten Marien-Festtag feiert die katholische Kirche am 15. August mit „Mariä Himmelfahrt“. Von einem Tag der Gottesmutter Maria an diesem Datum ist zwar bereits im 5. Jahrhundert die Rede, aber erst durch das Dogma von 1950 wurde daraus ein Hochfest.
Allen theologischen Auseinandersetzungen zum Trotz hat Maria während Jahrhunderten die Künstler zu immer neuen Kunstwerken inspiriert. Und hier wurden Konfessionsgrenzen leichter als in der Theologie aufgehoben. Als herausragendes Beispiel sei das „Magnificat“ des Protestanten Johann Sebastian Bach erwähnt.

THOMAS BINOTTO

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MARIENFESTE

1. Januar: Hochfest der Gottesmutter Maria – 2. Februar: Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) – 11. Februar: Unsere Liebe Frau in Lourdes – 25. März: Verkündigung des Herrn – 2. Juli: Mariä Heimsuchung – 16. Juli: Unsere Liebe Frau auf dem Berg Karmel – 15. August: Mariä Himmelfahrt – 22. August: Maria Königin – 8. September: Mariä Geburt – 12. September: Mariä Namen – 15. September: Schmerzen Mariens - 7. Oktober:  Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz – 21. November: Unsere Liebe Frau von Jerusalem – 8. Dezember: Hochfest Mariä Erwählung.