Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Katholische Spital- und Klinikseelsorge im Kanton Zürich

Neuorganisation begrüsst

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Ab 2008 werden die katholischen Spital- und Klinikseelsorgenden kantonal von der Zentralkommission angestellt. Eine neue Dienststelle koordiniert die katholische Seelsorge in insgesamt 36 Spitälern und psychiatrischen Kliniken.

Bis anhin waren die Spital- und Klinikseelsorgenden von einzelnen Pfarreien und Kirchgemeinden beauftragt und angestellt. Im Jahr 2005 wurde vom Generalvikar, der Zentralkommission und der Synode das Konzept der Neuorganisation der Spital- und Klinikseelsorge verabschiedet. Dieses bringt es mit sich, dass die katholischen Spitalseelsorgenden der neuen kantonalzürcherischen Dienststelle „Spital- und Klinikseelsorge“ unterstehen und aus der Zentralkasse entlöhnt werden.
Anlass für diese Kantonalisierung waren unter anderem die unterschiedliche Gewährleistung und Koordination der katholischen Spitalseelsorge und die Tatsache, dass es immer mehr Regionalspitäler gab und damit die Zuständigkeit für die Spitalseelsorge nicht mehr überall klar war. „Es ging auch darum, nicht diejenigen Pfarreien und Kirchgemeinden, die sich in Kliniknähe befinden, überproportional mit Spitalseelsorge zu belasten“, erklärt Urs Länzlinger. Der Theologe ist selber ausgebildeter Spitalseelsorger und leitet seit einem halben Jahr die neue Dienststelle, die im Centrum 66 am Hirschengraben einquartiert ist. In den Dekanaten Albis und Oberland ist die Neustrukturierung bereits vollzogen. Anfang 2008 ziehen die Dekanate Zürich Stadt und Winterthur nach.
„Trotz dieser Zentralisierung bleibt eine enge Zusammenarbeit mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern der Pfarreien, mit freiwilligen Helfern und die Unterstützung der Kirchgemeinden notwendig“, betont Länzlinger. „Wenn Patienten von den ‚eigenen‘ Pfarreiseelsorgenden besucht werden möchten, ist das selbstverständlich möglich und wird durch die Spitalseelsorgenden gerne vermittelt.“ Gerade im Pikett-Dienst sei man auf die Kooperation insbesondere mit den Priestern angewiesen. Im Allgemeinen begrüssten die Pfarreiseelsorgenden diese Neuorganisation, die ihnen Entlastung bringt und Zuständigkeiten klärt.
Nicht nur für die Pfarreien sind die Verantwortlichkeiten punkto Spitalseelsorge mit dem neuen Konzept klarer. Dasselbe gilt für das Klinikpersonal und die Spital- und Klinikleitungen. Auch sie haben mit den verantwortlichen katholischen Spitalseelsorgenden und ihrem Vorgesetzten, dem Leiter der Spital- und Klinikseelsorge, verbindliche Ansprechpersonen, an die sie sich wenden können.

PRÄSENZ UND PFOFESSIONALITÄT
Und die Kosten? Wird die Spitalseelsorge nicht viel teurer, wenn nun nicht mehr die Pfarreiseelsorgerinnen und -seelsorger innerhalb ihres Arbeitspensums die Krankenbesuche machen? Länzlinger winkt ab: „Auch bisher hatten viele Seelsorgende bestimmte Stellenprozente fürs Spital oder die Klinik, nur wurde das von einzelnen Kirchgemeinden getragen und die Kosten wurden nicht wie jetzt zusammengezählt.“ Die Kosten werden also von den einzelnen Kirchgemeinden auf die Kantonalkirche umverteilt, die Kirchgemeinden werden vor allem punkto Anstellungen der Spitalseelsorgenden entlastet. Länzlinger: „Sollte die katholische Spital- und Klinikseelsorge im Kanton Zürich insgesamt tatsächlich etwas teurer kommen, dann nicht wegen der Kantonalisierung, sondern wegen der erhöhten Präsenz und der angestrebten seelsorgerlichen Professionalität. Mit der zentralen Dienststelle können wir andererseits Kräfte bündeln, was den Kontakt mit den Spitalleitungen oder die Rekrutierung und Anstellung von Seelsorgepersonal und deren Weiterbildung angeht.“ Die Frage, wofür die Kirche ihr Geld ausgibt, ist stets ein heikles Thema. Länzlinger ist überzeugt: „Wenn die Diakonie, die im Pastoralplan der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ja zu Recht sehr gross geschrieben wird, in der Spitalseelsorge konkretisiert werden soll, dann darf die seelsorgerliche Nähe bei den Kranken und Leidenden und ihren Angehörigen auch etwas kosten. Das ist bestens investiertes Geld, das den Auftrag Christi, Kranke zu besuchen, in unserer Zeit umsetzen hilft.“

ERWÜNSCHT UND GESCHÄTZT
Allem Kirchenmitgliederschwund zum Trotz ist die Spitalseelsorge mehr denn je gefragt. „Das hat damit zu tun, dass Menschen in einer kritischen Lebenssituation die Kirche leibhaftig erfahren können – nicht als Institution, sondern in einer einfühlsamen qualifizierten Seelsorgeperson, die ihnen zuhört und sie begleitet.“ Zum Beispiel im Bereich der Palliativpflege steige der Bedarf an Seelsorge stetig. Urs Länzlinger versichert, wo immer er sich in einer Klinik vorstelle, werde er in seiner Funktion mit offenen Armen empfangen. Man sei im Allgemeinen sehr dankbar für die Spitalseelsorge, vorausgesetzt sie ist professionell und ökumenisch orientiert. „Ökumenische Zusammenarbeit wird ohnehin je länger, je wichtiger, nicht nur zwischen den Konfessionen, sondern auch mit anderen Religionen. Unsere Spitalseelsorgenden sind diesbezüglich sehr offen. Wenn nötig, vermitteln sie auch Kontakte, beispielsweise zu einem Imam oder einem Rabbiner“, so Länzlinger.
Auf Zukunftspläne angesprochen, meint er: „Wir werden daran arbeiten, unter anderem unser liturgisch-rituelles Angebot auszubauen und zu diversifizieren. Viele ‚Räume der Stille‘ in Spitälern und Kliniken bieten hier neue Chancen.“ Das sei nicht nur deshalb wichtig, weil nichtgeweihte Spitalseelsorgende keine Krankensalbung spenden können. „Die katholische Spitalseelsorge hat eine grosse Vielfalt an liturgischen Ritualen wiederzuentdecken und anzubieten, wie die Krankenkommunion, gemeinsame Gebete oder sinnenfällige Wort-Gottes- und Segnungsfeiern. Es ist vieles möglich, auch mit den jetzigen kirchenrechtlichen Grenzen“, sagt Länzlinger. Und er muss es wissen, befasst er sich doch auch wissenschaftlich mit genau diesem Thema. Sein Dissertationsprojekt trägt den Titel „Die liturgisch-rituelle Begleitung Kranker: heilsam für den Leib, für Seele und Geist“.

www.zh.kath.ch/spitalseelsorge

JUDITH HARDEGGER

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Dienststellenleiter Urs Lenzlinger. FOTO: CHRISTOPH WIDER