Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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18. Sonntag im Jahreskreis (5. August): Lukas 12,13–21

Reich vor Gott

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Ein Mann hatte einen grossen Taschenkalender und sagte zu sich selbst: Nun sind alle Termine eingeschrieben, aber noch sind die Sitzung X und die Tagung Y nicht eingeplant, wo soll ich sie unterbringen? Und er kaufte sich einen grösseren Terminkalender mit Einteilungsmöglichkeiten der Nachtstunden, disponierte noch einmal, schrieb alle Tagungen und Sitzungen ein und sagte zu sich selbst: Nun sei ruhig, liebe Seele, du hast alles eingeplant, versäume nur nichts! Aber je weniger er versäumte, desto mehr stieg er im Ansehen und wurde in den Ausschuss Q und in den Ausschuss K gewählt, zweiter und erster Vorsitzender und Präsident. Und eines Tages war es dann so weit und Gott sagte: Du Narr, diese Nacht stehst du auf meinem Terminkalender!
Diese Adaption des lukanischen Textes von Gottfried Hänisch trifft ins Schwarze. In ihm schwingen die gleichen Fragen wie beim Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium mit: Was ist wirklich wichtig? Was gibt dem Leben Sinn? Was bleibt von einem Menschen? Jesu Haltung ist klar: Der Sinn des Lebens besteht nicht im Anhäufen von Reichtum und Überfluss. Aber worin dann? Man solle nicht irdische Schätze sammeln, sondern vor Gott reich werden. Doch was heisst das? Nächstenliebe leben, um sich so einen Platz im Himmel zu sichern? Wie gross ist doch die Gefahr, dass man gute Taten – was immer man darunter verstehen mag – nicht einfach um des Guten willen vollbringt, sondern letztendlich doch wieder für sich selbst.
Pascal Mercier fragt in seinem neusten Roman „Lea“: „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“ Vielleicht geht eine Antwort auf die Frage, was „reich werden vor Gott“ bedeute, in diese Richtung. Vielleicht meint „reich werden vor Gott“, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten auszuloten, seine Anlagen zur Entfaltung zu bringen und immer mehr sich selber zu werden. Ob es sich wohl leichter stirbt mit dem Gefühl, im Leben die richtigen Akzente gesetzt zu haben?
Ich glaube nicht, dass der Text aus dem Lukas-Evangelium jegliche materielle Vorsorge verurteilen will. Das wäre auch völlig unvernünftig. Doch wenn sich alles nur noch darum dreht, wie man aus viel Geld noch mehr Geld machen kann, dann ist doch einiges verkehrt. Das wusste schon der Psalmendichter, der schrieb: „Nur wie ein Schatten geht der Mensch einher, um ein Nichts macht er Lärm. Er rafft zusammen und weiss nicht, wer es einheimst.“ (Ps 39,7)
Wir können nicht wissen, ob uns nach dem Tod ein Himmel erwartet. Doch um den Himmel auf Erden können wir uns allemal bemühen. Das aber bedeutete, die Güter so aufzuteilen, dass nicht nur ein paar wenige im Paradies leben, während für einen viel grösseren Teil das Dasein zur Hölle wird. Doch das ist schon wieder ein Gemeinplatz. Der Teufel liegt ja bekanntlich im Detail, sprich im konkreten Alltag.

JUDITH HARDEGGER

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"Hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines grossen Vermögens im Überfluss lebt." Lukas 12,15. FOTO: CHRISTOPH WIDER