Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Kontroverse ohne Notwendigkeit

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Am 29. Juni hat die Glaubenskongregation ein Dokument zum katholischen Kirchenverständnis herausgegeben und damit ohne sichtbare Dringlichkeit für Unverständnis anstatt Klarheit gesorgt.

Das kurze Dokument mit dem Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ bestätigt im Wesentlichen die Aussagen des umstrittenen Schreibens „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000.
Dementsprechend wiederholen sich auch die Reaktionen von damals. Die evangelisch-lutheranische Bischöfin Margot Kässmann nennt es ein „Trauerspiel, das ökumenische Pflänzchen austrocknen zu lassen“. Notwendig sei mehr Miteinander „statt solcher Abgrenzungsversuche“. Auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK konstatierte, dass sich die römisch-katholische Kirche durch den Rückzug auf sich selber aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen ausschliesse.
Der Präsident des SEK, Pfarrer Thomas Wipf, kann dem Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche aus protestantischer Sicht erwartungsgemäss nicht zustimmen. Die Reformation habe den Blick auf die ursprünglichen Kennzeichen der Kirche gelenkt. Diese seien die reine Predigt des Evangeliums und die rechte Verwaltung der Sakramente. „Das – und nicht mehr – braucht es, um als authentischer Ausdruck der einen Kirche Jesu Christi gelten zu können.“ Damit gibt er zumindest indirekt zu erkennen, dass sich das protestantische Kirchenverständnis tatsächlich wesentlich vom katholischen unterscheidet und ebenfalls einen gewissen Absolutheitsanspruch erhebt.
Wipf beruft sich auf die reformatorische Erkenntnis, „dass Wort und Sakrament entscheidend sind. Das Evangelium konstituiert Kirche, nicht die apostolische Sukzession im Weihesakrament.“ Wipf bezeichnet damit den eigentlichen Gegenstand der Diskussion: Gehören episkopale Strukturen, Sukzession und Weihesakramente wesentlich zum Kirchesein? Nach seinem reformiertem Kirchenverständnis ist die Antwort ein eindeutiges „Nein“, das er dem „Ja, unbedingt!“ der römisch-katholischen Glaubenskongegration entgegenhält.
Um das nun vorliegende Dokument wurde lange gerungen, unter anderem gerade wegen bestimmten Formulierungen. Bischof Walter Kasper, seit 1999 Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und damit Ökumene-Minister des Vatikans, konnte sich mit der Formulierung „Kirchen anderen Typs“ als Bezeichnung für die reformierten Kirchen nicht durchsetzen, benutzt es aber in seinen Äusserungen weiterhin.
Dass auch zahlreiche katholische Theologinnen, Theologen und Organisationen kritisch oder ablehnend auf das Dokument reagieren, macht deutlich, dass hier vor allem eine innerkatholische Diskussion im Gange ist, bei der es tatsächlich um das Selbstverständnis der katholischen Kirche geht.

WOZU DIE AUFREGUNG?
Obwohl der Vatikan in dieser „internen“ Diskussion einmal mehr einen defensiven Akt der Abgrenzung gesetzt hat, nehmen langjährige Vatikan-Beobachter dennoch minime Bewegungen in der katholischen Dogmatik wahr, beispielsweise im gleichzeitig veröffentlichten offiziellen Kommentar, wo es heisst: „Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt ‚subsistiert‘, auch ausserhalb dieses Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten.“ Weiter ist auch von dem (noch nicht erfüllten) Anliegen die Rede, „den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen.“
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Kurt Koch, geht in seinem Kommentar zum Dokument deshalb sogar so weit, dieses als Ermutigung zum Dialog über die theologisch sehr unterschiedlichen Sichten von Kirche aufzufassen.
Diesen Dialog kann man allerdings auch ohne dieses Dokument führen und in dieser Form wirkt das „Angebot“ zudem reichlich akademisch und abgehoben. Einmal mehr hat die Glaubenskongegration damit anstatt für Klärung und Entspannung für Verwirrung und Verhärtung der Fronten gesorgt – und das ohne sichtbare Dringlichkeit. Zudem muss diese kirchliche Nabelschau Thema angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen als „Luxusproblem“ eingestuft werden.
Die souveräne Reaktion des leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Johannes Friedrich, ist deshalb wohl angemessen. Er liess ausrichten, das Dokument enthalte „überhaupt nichts Neues“. Allerdings hätte er lieber „etwas Ermutigenderes zur Ökumene aus Rom gehört“. Noch knapper bringt es der protestantische Theologe Eberhard Jüngel in der NZZ auf den Punkt: „Wie soll die evangelische Christenheit auf diese römische Selbstrepetition reagieren? Am besten gar nicht!“

THOMAS BINOTTO
BENUTZTE QUELLEN: KIPA

Die offiziellen Dokumente im Wortlaut mit dem Kommentar von Bischof Kurt Koch unter www.kath.ch/sbk-ces-cvs/aktuell.php.
Weitere Reaktionen unter www.kath.ch/aktuell.php.

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In der katholischen Kirche dürfen künftig wieder öfter Messen nach dem vorkonziliaren, sogenannt tridentinischen Ritus gefeiert werden. Die seit 1970 gültige Liturgie bleibt jedoch weiterhin die ordentliche Form der Messfeier. Diese Regelung wird vom Vatikan und den meisten Bischöfen als Versöhnungsangebot gegenüber traditionalistischen kirchlichen Kreisen gedeutet, die sich mit der Abschaffung der alten Messform nie abfinden konnten. Falls der Entscheid als Zeichen für eine neue Grosszügigkeit und Bekenntnis zur Vielfalt in liturgischen Fragen gedeutet werden soll, hat er durchaus seinen Reiz. Jetzt darf man gespannt sein, ob diese Offenheit weiter ausgefaltet wird. Beispielsweise könnte man auch eine Erlaubnis zur Predigt für Theologinnen und Theologen, die mit einer bischöflichen Missio im kirchlichen Dienst stehen, als Versöhnungsangebot werten.

BIT