Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2007 forum Nr. 15, 2007 Liebe Leserin, Lieber Leser
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Liebe Leserin, Lieber Leser

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Ich lebe im so genannt „traditionellen“ Familienmodell, das aber – zumindest in meiner Generation – längst exotisch geworden ist. Ich bin also das einzige Mitglied unserer sechsköpfigen Familie, das für seine Arbeit bezahlt wird. Man sollte meinen, dass meine Frau und ich damit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf die bequemste Lösung gewählt haben: die brave Hausfrau daheim und freie Bahn für die Karriere des Mannes. Ganz so simpel stellt sich unser Modell in der Praxis nicht dar. Auch wir sind für unsere Familie gemeinsam verantwortlich – allerdings mit einer ziemlich klar definierten Chefin.
Meine Frau ist deshalb entschieden für die Bezeichnung „Hausfrau“, weil dadurch das Unternehmerische ihres Berufes betont wird – also nicht der Arbeitsort, sondern die Verantwortlichkeit. Sie will sich nicht allein durch Mann und Kinder definieren lassen. Folglich huscht sie auch nicht als dienstbarer Geist ohne eigene Interessen durchs Leben. Sie ist Hausherrin, nicht Hausmagd, besteht auf Freiheiten, Kompetenzen und einem genauso präsenten Vater wie erwerbstätige Mütter auch.
Für mich hat das Konsequenzen: Nach der Brötchenarbeit ist
vor der Familienarbeit. Wir besprechen uns fast täglich und versuchen gemeinsam, dem Erfolg oder Misserfolg unserer Bemühungen auf die Spur zu kommen. Es ist diese gemeinsame Karriere, die uns am stärksten herausfordert und antreibt. Und so gerne ich meiner bezahlten Arbeit nachgehe, sie steht im Dienst dieser Karriere, die mir viel wichtiger ist und dabei viel weniger berechenbar.
Ich bin von unserem Modell hundertprozentig überzeugt, weil
es genau auf uns zugeschnitten ist – aber ganz gleichgültig, welches Familienmodell man wählt: Familie ist immer ein höchst riskantes Generalunternehmen, das nur Erfolg haben kann, wenn die „Geschäftspartner“ all ihre zur Verfügung stehenden Talente investieren – mit Vorteil dort, wo sie am besten zur Geltung kommen.

THOMAS BINOTTO

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Thomas Binotto