Glauben feiern
Das von der „Jugend 2000“ organisierte „Prayerfestival“ hat wie letztes Jahr eine grosse Schar Jugendlicher aus der ganzen Schweiz angelockt. Unterstützt wurden die Organisatoren von den Schwestern der in Rheinau beheimateten „Spirituellen Weggemeinschaft“. Viel Freude war in den Gesichtern der Teilnehmenden zu lesen, die während vierzig Stunden mit Musik, Tanz, Talks, Austausch und drei heiligen Messen ihren Glauben erneuert und gefeiert haben. Cordula Suter aus Zürich ist sehr beeindruckt vom Geist der Gemeinschaft, der an diesem „Prayerfestival“ in der herzlichen Atmosphäre und dem Gefühl der Zugehörigkeit der Jugendlichen untereinander zum Ausdruck kommt: „In meiner Pfarrei und an meinem Wohnort erlebe ich es oft, dass Jugendliche kaum mehr zu ihrem Glauben stehen. Das erlebe ich hier ganz anders. Wir werden getragen vom Glauben an Jesus Christus, der uns alle eint.“ Die 22-jährige Franziska Keller aus Berneck ist von den Talks begeistert: „Leider erlebe ich die katholische Kirche im normalen Leben oft als tot. Hier am ‚Prayerfestival‘ hingegen werden die Impulse der Priester mittels Gesprächsrunden mit den anderen Jugendlichen vertieft.“
Die Talks drehen sich um Jesus Christus, die Eucharistie, die Beichte, die Versöhnung als eine Gabe des Heiligen Geistes und Maria, den Stern der Evangelisation. Die Sehnsucht nach Spiritualität und die Sehnsucht nach Aufgehobensein im Religiösen sind spürbar das Verbindende für die Jugendlichen hier in Rheinau. Die 22-jährige Tanja Suter aus
St. Gallen kommentiert ihre Erfahrungen an diesem Wochenende: „Gemeinsam den Glauben zu leben anstatt allein dazustehen im Leben, das ist das Schöne und Erfüllende an diesem ‚Prayerfestival‘.“ Schwester Baptista, die das „Prayerfestival“ mitorganisiert, stellt fest, dass Jugendliche heute einem starken Konkurrenzkampf ausgesetzt sind und im Arbeitsleben oft in die Rolle des Einzelkämpfers gedrängt werden: „Die Belastungen im Berufsleben haben enorm zugenommen und fordern viele Menschen über die Massen. Die Umbrüche in unserer Gesellschaft verunsichern sie. Umso grösser ist die Sehnsucht nach echter Gemeinschaft und nach einem Glauben, der trägt und Antworten gibt auf dringende Fragen.“
Aufbruchstimmung macht sich breit am Sonntagmorgen, kurz bevor sich die Schar aufmacht zur Prozession in die Klosterkirche. Der 18-jährige S. G. hat sein schwarzes T-Shirt mit einem weissen vertauscht: Zeichen dafür, wie er meint, dass sich sein Herz geöffnet habe in Stille und Vertrauen, die er hier in Rheinau an diesem Wochenende gefunden hat.
MAGNUS LEIBUNDGUT