Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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13. Sonntag im Jahreskreis (1. Juli): Lukas 9.51-62

Entschieden für Gott?

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Den eigenen Vater zu begraben, gehörte zur Zeit Jesu zu den wichtigsten religiösen Pflichten. Selbst die Priester waren davon nicht ausgenommen. Wie radikal, ja schockierend müssen da Jesu Worte geklungen haben. Mit seiner Aufforderung, das Reich Gottes zu verkünden und die Toten den Toten zu überlassen, ruft er nicht nur zum Ungehorsam gegenüber dem jüdischen Gesetz auf, er scheint sich auch radikal über die tiefsten, menschlichen Gefühle hinwegzusetzen.
Doch wenn wir die ganze Bibelstelle aus dem Lukasevangelium betrachten, sehen wir, dass es Jesus hier keineswegs um die Infragestellung von Sohnespflichten und die Verletzung menschlicher Gefühle geht. Jesus hat sich auf den Weg gemacht nach Jerusalem. Das ist nicht irgendein Weg, sondern der Weg zum Ziel seiner Sendung. Und dieser Weg soll auch für seinen Jünger, die von damals und die von heute, ein Weg der Auseinandersetzung sein mit dem, was es heisst, Christus nachzufolgen.
Der Auftakt für dieses Abenteuer gibt gleich den Ton für das Ganze an: Jesus sucht eine Unterkunft, aber man nimmt ihn nicht auf. „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Nachfolge Christi ist kein Ferienausflug mit vorreservierter Übernachtungsgelegenheit. Wer sich mit Jesus auf den Weg macht, muss damit rechnen, auf der Strasse zu übernachten und nicht überall willkommen zu sein. Das ist nichts für zimperliche Zögerer und ängstliche Vorausplaner.
Hier geht es um Entschiedenheit und um die Frage nach dem Ziel des eigenen Lebens. Was gibt meinem Leben Sinn? Ist es Jesus Christus und seine Botschaft vom Reich Gottes, oder ist es die Sehnsucht nach der Sicherheit und Geborgenheit im eigenen Heim? Ist es die Sehnsucht, sein Leben vertrauensvoll der Führung Gottes anzuvertrauen oder ist es das ängstliche Verlangen, sich den Rückhalt der Familie zu bewahren?
Dabei geht es Jesus nicht um das Haben oder Nichthaben von Höhlen und Nestern. Es geht ihm auch nicht um das Beerdigen von Vätern und um das Verabschieden von Verwandten. Ein eigenes Haus und eine lebendige Familie zu haben ist an sich nichts Schlechtes. All diese Dinge sind, wie Ignatius von Loyola in der Einleitung zu den „Geistlichen Übungen“ schreibt, für den Menschen geschaffen, „damit sie ihm bei der Verfolgung des Zieles helfen, zu dem hin er geschaffen ist“. Die Frage ist nur, wann und inwieweit sie ihm bei der Verfolgung dieses Zieles helfen, und wann sie ihn daran hindern. Und um das zu unterscheiden, muss ich mir eben über eines klar werden: Was ist mein Ziel? Was will ich mit meinem Leben?
Konkret müssen wir uns fragen, was für eine Rolle Jesus Christus und das Reich Gottes in unserem Leben spielen. Inwieweit hat Gott einen Einfluss auf unsere fundamentalen Lebensentscheidungen? Vermag der Glaube unserem Leben ein Ziel zu geben, an dem wir unsere Entscheidungen messen können? Oder bleibt er für uns ein seelisches Wellnessangebot neben anderen, gut als gelegentlicher Trostspender in schwierigen Zeiten, aber ohne jede prägende Kraft für unsere aktive Lebensgestaltung? Ja, das Evangelium des 13. Sonntags stellt auch uns vor die radikalen Frage: Sind wir wirklich entschieden für Gott?

BEAT ALTENBACH SJ,
HOCHSCHULSEELSORGER AKI


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"Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes." Lukas 9,60. FOTO: ARCHIV CHRISTOPH WIDER