Achtung, fertig, Jubiläum!
Die „Jublas“ konnten rund 100 kreative, abenteuerliche, lustige, sportliche und besinnliche Angebote nutzen. Zunächst allerdings war das Grossfest von einem Sabotageakt bedroht. Das teilte Hauptkommissar Franz Hugentobler in einem Interview mit der Blauring- und Jungwachtzeitung „Blitz“ vor dem Event mit. Der Hornbrillenträger mit Detektivhut und Plastikbart forderte die „Zivilbevölkerung“ – genauer, die rund 10.000 zum Fest erschienenen Jublas – auf, aktiv zur Lösung des Falles beizutragen.
Nach Aussetzen einer Belohnung und weiteren Hinweisen dürfte der Täter inzwischen von einer gewitzten Schar identifiziert worden sein – das Fest wurde zumindest gerettet. Mit diesem Krimispiel wurden die Jubiläumsbesucher schon während der Anreise auf das fantasievolle Wochenende eingestimmt.
LEBENSGROSSER TÖGGELIKASTEN
Betrat man den durch sintflutartige Regengüsse matschig gewordenen Rasen auf dem Allmendgelände anfangs noch auf Zehenspitzen, um jede Pfütze auf dem Kiesboden herumbalancierend, so liess man sich dann aber schnell von den Kindern anstecken: Ohnehin schon nass von der Seifenrutschbahn oder dem „Schwimmbädli“ neben der Strandbar, konnten sie jetzt erst recht „dre-ckeln“. Die unfreiwilligen Kurzduschen wurden Teil des Events, und fand man sich doch einmal unter den rustikalen Grosszelten zum Schutz vor den Wassermassen ein, so wurde gelacht, am Lagerfeuer gesungen, gespielt oder gebastelt.
Einmal in diese Jugendwelt abgetaucht, kann man wohl verstehen, wie Alice sich im Wunderland gefühlt haben muss: Da waren Kinderkolonnen in bunten Verbandsshirts, die stolz wollige Lamas am Strick führen durften; man sah halbstarke Knaben, die im vollgestopften Badezuber fröhlich „Einer geht noch, einer geht noch rein!“ sangen und dabei einer Suppe im Kochtopf verblüffend ähnlich sahen; oder man stand am lebensgrossen Töggelikasten, in dem die Rolle der Figuren von menschlichen Spielern eingenommen wurde.
FÜNF FARBEN FÜR FÜNF WELTEN
Es wurde eine Stadt aus Zeitungspapier gebaut, es wurden Kurzfilme produziert und Volkstänze einstudiert. Man sah verrückte Theaterstücke und Teenager, die zu Bands aus den Jugendverbänden rockten oder sich in einer mittelalterlichen Kulisse vom Knappen zum König hocharbeiteten.
Das Festgelände wurde ganz nach den fünf Grundsätzen von Jungwacht und Blauring in fünf „Welten“ und Farben eingeteilt: In der roten konnten die Besucher „zusammen sein“, die grüne lud zum „Natur erleben“ ein, in der orangen und gelben Welt konnte man „mitbestimmen“ und „kreativ sein“, und der Bereich „Glauben leben“ war blau markiert.
Hier durften die jungen Besucher beispielsweise aus Pappschachteln und mit viel Farbe Jerusalem nachbauen, mehr über die Kraft der Sonne erfahren, durch Verkleiden andere Kulturen kennen lernen oder Filme über das schwierige Leben von Kindern auf der ganzen Welt anschauen.
VIELFÄLTIGE JUGENDBEWEGUNG
Rund 15 000 Mädchen und 10 000 Knaben werden auf Pfarreiebene von 7000 jugendlichen Leitern ehrenamtlich betreut. Sie leiten Gruppenstunden, Scharanlässe und Ferienlager. Alle Kindergruppen einer Pfarrei bilden zusammen die Schar.
Mädchen können im Blauring und Knaben in der Jungwacht mitmachen. In einigen Pfarreien haben sich aber auch die beiden Verbände zusammengeschlossen und treffen sich in gemischten Gruppen.
Zur 75-Jahr-Feier wurde eine Liedersammlung mit 75 Liedern herausgegeben, in der 75 Menschen, die einmal in der Jungwacht oder Blauring aktiv waren oder noch sind, und ihre Lieder porträtiert werden. Martha Leuthard Reber gehört zu diesen Menschen und war aus diesem Grund als „Special Guest“ zum Jubiläumsfest eingeladen.
Sie erinnert sich gerne an die Zeit zurück, als sie Scharführerin war. „Durch Blauring wurden meine vorhandenen Führungsqualitäten noch mehr herausgebildet.“ Ausserdem sei es ein schönes Gefühl gewesen, die Verantwortung in den Lagern zu tragen, gemeinsam Dinge gestalten und erleben zu können.
Auch an die 25-Jahr-Feier denkt sie gerne zurück. Damals sei sie in den Blauring eingetreten. Dort habe man noch die Uniformen mit den Röckchen und langen Strümpfen getragen. „10 000 Mädchen und alle als eine Einheit – das muss man sich mal vorstellen. Man hat gezeigt, man gehört zusammen.“
Nun möchte sie die Jungen mit ihrer Erfahrung unterstützen. Deshalb ist sie am Samstag dem neu gegründeten Ehemaligenverein „Lebensfreunde“ beigetreten. Der Verein soll auch den Kontakt unter den Mitgliedern verbessern und so ein Netzwerk und Rückgrat für Blauring und Jungwacht schaffen. Mit mindestens 50 Prozent seiner Mitgliederbeiträge unterstützt der Verein die jungen Leute der beiden Verbände.
KATHARINA RILLING / KIPA