Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Ein Jahr Caritas-Markt in Zürich-Oerlikon

Arbeit und günstige Preise

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Der Caritas-Markt in Zürich-Oerlikon ist ein Jahr alt. Er bietet Langzeitarbeitslosen eine Arbeitsmöglichkeit im Teillohn-Projekt und verkauft Lebensmittel zu sehr günstigen Preisen an Menschen am Existenzminimum.

„Die Arbeit hier gefällt mir sehr“, strahlt Natascia Mercado. Seit sieben Monaten ist sie im Team vom Caritas-Markt Zürich-Oerlikon, und als Vorarbeiterin übernimmt sie bereits Verantwortung. „Der Ladenraum ist hell und freundlich, wir haben eine gute Atmosphäre und immer mehr Kunden“, erzählt sie. Jemand habe kürzlich sogar gelobt, man werde hier weit freundlicher bedient als bei Migros oder Coop. „Wir haben halt die gleichen Probleme wie unsere Kunden. Da können wir sie gut beraten und unterstützen“, meint die fröhliche Caritas-Angestellte. Sie arbeitet wie alle im Team – ausser dem Betriebsleiter – im Teillohn. „Der Caritas-Markt in Oerlikon war das erste private Teillohn-Projekt in der Stadt Zürich“, präzisiert Christina Jetzer, Projektleiterin Caritas-Markt. „Damit werden zwölf Arbeitsplätze für Sozialhilfebeziehende geschaffen. Die Stadt Zürich beteiligt sich an den Lohnkosten.“ Der Vorteil dieses Projektes: „Es ist kein Beschäftigungsprogramm, sondern reale Arbeit. Unsere Leute können sich im Caritas-Markt qualifizieren, bekommen ein Arbeitszeugnis und damit die Chance, sich auf dem ersten Arbeitsmarkt besser zu bewerben.“ Im Caritas-Markt können Menschen mit minimalem Einkommen Lebensmittel und Hygieneartikel zu Tiefstpreisen einkaufen. „40 Prozent beträgt durchschnittlich die Einsparung, oft noch mehr“, erklärt Betriebsleiter Marco Callegari. „Dadurch erhalten Armutsbetroffene mehr finanziellen Spielraum.“ Möglich wird dies durch die zentrale Warenakquisitionsstelle der Caritas in Rothenburg LU, wo die schweizweit zwölf Caritas-Märkte bestellen können. Die Lieferanten bieten ihre Produkte der Caritas gratis oder sehr preiswert an. „Oft sind es Überproduktionen oder leicht beschädigte, jedoch qualitativ absolut gute Waren“, führt Callegari aus. Mit einigen Lieferanten konnte Caritas bereits eine schriftliche Vereinbarung zur regelmässigen Abnahme von Ware treffen. Grosse Freude hat Callegari an der Bäckerei, die dem Caritas-Markt Oerlikon täglich frisches Brot zur Verfügung stellt. „Da sind wir eine Ausnahme. Meist bekommt man am Abend das nicht verkaufte Brot.“

GROSSES ENGAGEMENT
Das Frischwarenangebot möchte Callegari noch ausweiten: „Wir könnten am späten Morgen auf dem Frischmarkt sicher zu güns-tigen Preisen Gemüse oder Obst bekommen.“ Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik: „Dafür haben wir keine Zeit.“ Erst muss jetzt wieder ein zweiter Stellvertreter gefunden werden. Denn auch die beiden Betriebsleiter-Stellvertreter arbeiten im Teillohn-Projekt. „Für diesen verantwortungsvollen Job suchen wir Leute, die zum Beispiel eine ausländische Qualifikation haben, welche hier in der Schweiz nicht anerkannt wird, und die deshalb keine Arbeit finden.“ So habe man kürzlich im Laden eine Frau beschäftigt, die nun dank der Erfahrung und dem guten Zeugnis vom Caritas-Markt eine anerkannte Ausbildung beginnen konnte, die teilweise vom Sozialamt bezahlt wird.
Was vom Betriebsleiter viel Engagement braucht: „Wir haben viel Wechsel beim Personal“, meint Callegari. „Viele sind schon lange arbeitslos, sie haben kaum mehr ein Selbstwertgefühl“, weiss er. Seine grösste Freude ist es, wenn verschüchterte, zurückhaltende Angestellte „langsam auftauen, selbstsicherer werden, Freude an der Arbeit bekommen und erleben, dass sie das können“, erzählt er.
Zum Einkaufen in Caritas-Märkten berechtigt sind nur finanziell Benachteiligte. sie erhalten eine Einkaufskarte, die von öffentlichen Sozialämtern, kirchlichen und privaten Sozialhilfen und den Regionalen Caritas-Stellen ausgestellt wird. Die Karte ist persönlich und muss jährlich erneuert werden. „Vielen ist die Karte noch nicht bekannt“, hat Natascia Mercado erfahren. „Oft stehen wir deshalb vor den Laden, wo die Leute vom benachbarten Sozialamt herkommen, und machen Werbung für unsere Karte.“ Wie in Zürich läuft auch der Caritas-Markt in Winterthur gut. Der im Jahr 2001 gegründete Markt musste bereits umziehen, da der Platz für die gestiegene Nachfrage nicht mehr ausreichte.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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Betriebsleiter Marco Callegari: "Unsere Artikel sind rund 40 Prozent günstiger." FOTO: BEATRIX LEDERGERGER
Caritas übernimmt KulturLegi

In Caritas-Märkten können finanziell benachteiligte Menschen mit einer Einkaufskarte günstig einkaufen. Auch die KulturLegi, welche es Menschen am Existenzminimum ermöglicht, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen, berechtigt zum Einkauf in Caritas-Läden. In Winterthur war die Caritas Zürich bereits Trägerin der KulturLegi, in Zürich hat sie diese von der IG Sozialhilfe, der „Erfinderin“ dieser Legi, Anfang 2007 übernommen. Caritas Zürich möchte die KulturLegi in diesem Jahr möglichst in allen Gemeinden des Kantons Zürich einführen.
BLB