Altes Haus mit jungen Leuten
„Sämtliche Herren kennen die Gefahren, die unserer männlichen Jugend drohen, wissen, dass die jüngeren Leute oft sehr schlecht erzogen sind und deshalb in einem Heim, das (…) das Vaterhaus möglichst ersetzen kann“, untergebracht werden sollen. Das Gründungsprotokoll des Maximilian-Vereins macht klar, dass der „Schutz der männlichen Jugend“ sein Ziel ist. Deshalb wurde 1907 das Haus an der Leonhardstrasse in Zürich gekauft. Sein äusseres Erscheinungsbild hat sich in dieser Zeit kaum gewandelt. Was innen läuft, hingegen sehr. Im ursprünglichen „Jünglingsheim“ betrug der Logispreis für Lehrlinge 8 bis 10 Franken, für drei Mahlzeiten am Tag zahlte man 1,70 oder 1 Franken. Betreut wurden die Jugendlichen von Schwestern und Priestern. Ausserdem wurden in diesem christlichen Haus täglich „15 bis 20 Arme an der Pforte gespeist“, wie das Protokoll des Vereins 1931 vermerkte. Das Konzept hatte Erfolg: 1960 mussten erstmals über 100 Anfragen abgewiesen werden. Wer im „Max“ wohnen will, muss sich bereits ein Jahr früher anmelden.
In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert. Ein zweites Haus wurde dazugekauft. Heute stehen 80 Zimmer zur Verfügung, geboten wird nicht mehr Voll-, sondern Halbpension, und auch Frauen wohnen im „Max“. Aus der Hauskapelle wurde ein Aufenthaltsraum, im Keller wurde dafür ein Meditationsraum eingerichtet. Religiöse Angebote gibt es nicht mehr. „Heute leistet das Aki Studentenseelsorge, wir legen diese Flyer immer auf“, erklärt Elisabeth Kind, die seit vier Jahren zusammen mit Roland Künzler das Haus leitet. Dafür gibt es immer wieder Begegnungen zwischen den Studierenden, die aus verschiedenen Ländern kommen. „Während dem Krieg konnte einer unserer Bewohner in den Ferien nicht zurück in den Libanon – da bekommt so ein Ereignis ein ganz konkretes Gesicht auch für die Mitstudenten“, erzählt Roland Künzler.
Das Maximilianeum ist nach wie vor für viele Studierende ein Stück Heimat. Das wurde an der Jubiläumsfeier am 14. April deutlich. Unzählige Ehemalige fanden sich ein, um zu feiern, zu plaudern, ihre Studentenzeit wieder aufleben zu lassen. Festredner aus fast allen „Max“-Zeiten konnten gewonnen werden: Der 80-jährige Richard Maurer erzählte von der Zeit des katholischen Jünglingsvereins, der 60-jährige Jean-Paul Jäger von der Rebellion gegen allzu enge Vorschriften, wie Verbot von Frauenbesuchen. Erlebnisse aus Leitersicht steuerte die 40-jährige Pia Steiner bei, das Haus wurde damals vom Katharinawerk geführt. Und zwei aktuelle Studierende, Tina Rentsch und Shekeb Fateh, amüsierten die Zuhörerschaft mit einer Geschichte vom „Max“-Geist, der im Hause auf unerklärliche Weise Unordnung in den Gemeinschaftsräumen stiftet, Stereoanlagen laut aufdreht und Betten vom Gang in unbekannte Zimmer verschwinden lässt …
„Heute haben wir hauptsächlich Studenten und wenige Lehrlinge hier, die froh sind, sich voll und ganz aufs Lernen zu konzentrieren“, erklärt Elisabeth Kind. Neu werden in vielen Zimmern Lavabos eingebaut, und neue Vorhänge stehen ebenfalls in Aussicht. „In einem alten Haus muss ständig etwas erneuert werden …“, meint Künzler. Doch gerade diese Mischung aus altem Haus und jungen Bewohnerinnen und Bewohnern macht den Charme des „Max“ aus, wie das Studentenheim liebevoll genannt wird.
BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER