„Erlöse uns, Herr
Diese Worte werden beim Vaterunser in der Messe gleich zweimal gesprochen: Nach der letzten Bitte („erlöse uns von dem Bösen“) greift ein Einschub dasselbe Anliegen nochmals auf. Warum hat die Liturgiereform diese Verdoppelung nicht gestrichen? Sicher nicht nur, weil der Einschub seit mehr als 1600 Jahren gebetet wird. Die Formulierung von „allem Bösen“ im Einschub verweist auf die vielen Formen des Bösen in der Welt. Es gibt nicht nur den einen Bösen in Person.
Wo Menschen allem Bösen widerstehen, herrscht Friede. Die Bitte um Friede schliesst sich deshalb sinnvoll an. Und sie verbindet das Vaterunser mit dem nachfolgenden Friedensgebet. Schon in unseren Tagen soll sich der Friede ausbreiten, den Christus im österlichen Gruss den Seinen zugesprochen hat. Er ist eine Gabe der Vollendung, ein Geschenk aus der Zukunft, in welcher der Frieden nie enden wird. Im Hinblick auf dieses Ende sind die Bitten um Gottes Erbarmen und Bewahrung vor Verwirrung und Sünde gesprochen, denn noch erleben und erleiden wir täglich Unfrieden. Aber schon jetzt lebt in jeder Messe die Zuversicht auf das letzte und endgültige Kommen Jesu und seinen Frieden auf. Der Einschub im Vaterunser der Messe bringt das alles mit wenigen Worten zum Ausdruck.
GUNDA BRÜSKE
LITURGISCHES INSTITUT