Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Die Gretchenfrage an Lys Assia

Oh mein Gott

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forum: Frau Assia, nach einem freiwilligen Karriereunterbruch haben Sie mit über 80 Jahren neue CDs eingespielt und gehen auf Tournee. Wie fühlt es sich an, wieder im Rampenlicht zu stehen?
Lys Assia: Einfach fantastisch! Die Schweiz hat mir nach meiner Rückkehr aber auch wirklich den roten Teppich ausgerollt. Im Nachhinein muss ich sagen, ich habe meine Karriere zugunsten von meiner Familie und dem Betrieb meines zweiten Ehemannes zu stark in den Hintergrund gestellt.

Woher nehmen Sie Ihre Energie?
Ehrlich gesagt, das weiss ich nicht. Ich habe immer viel erwartet, von mir und von anderen Menschen. Das lässt sich nicht einfach so ablegen. Unterstützung erfahre ich auch durch die zahlreichen Freunde und Fans.

Was bedeuten Ihnen Erfolg und Applaus?
Sie geben mir Selbstbestätigung, ein Gefühl des Ausgefülltseins und die Freude darüber, anderen Menschen Freude bereiten zu können. War ich früher die abgeschirmte Diva, die sich auf Distanz hielt, bin ich dem Publikum heute viel näher. Ich bin offener geworden, spontaner, und lasse die Menschen mehr an mich heran, physisch und emotional.

Mit Liedern wie „Oh mein Papa“ erobern Sie erneut die Herzen Ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer. Was möchten Sie mit Ihren Liedern mitteilen?
Ich möchte Hoffnung verbreiten, Lichtblicke im Leben und vor allem Freude. Das ist heute meine einzige Motivation, aufzutreten. Ich bin durch mein internationales Leben sehr verwöhnt worden, da ist es mir ein Bedürfnis, etwas weitergeben zu können.
Wenn ich jetzt heute häufig auch in Alters- und Pflegeheimen auftrete, sehe ich in den glänzenden Augen die Freude, und Gespräch kann ich Mut machen: Jeder Tag soll wie ein Geschenk gelebt werden, es könnte der letzte sein.

Was bedeutet Ihnen die Musik?
Alles! Ohne Musik hätte ich die Schicksalsschläge in meinem Leben nicht überlebt.

Sie sprechen es an: Nebst allen Erfolgen gab es in Ihrem Leben auch schwierige Zeiten. Sie verloren Ihre Eltern früh, Ihr zweiter Ehemann starb bei einem Autounfall, der auch Sie lange Zeit in den Rollstuhl brachte, 2005 wurden Sie in Südfrankreich erst ausgeraubt, dann über-fallen. Ihre zwei Hunde hat man erschlagen. Was trägt Sie im Leben?
Die Musik hat mir sehr geholfen. Sie gab mir die Freude am Leben zurück. Dann auch die Beschäftigung. Immer ein Ziel vor Augen zu haben, auf das ich mich konzentrieren muss, für das ich mich engagieren kann.

Glauben Sie an Gott?
Ja, ich bin ein gläubiger Mensch – der Glaube gibt mir sehr viel Kraft.
Nach dem Überfall in Südfrankreich zweifelte ich jedoch schon auch an der Exis-tenz Gottes. Wer derart viel Unheil und Unrecht erfährt, fragt sich schon, warum er so bestraft wird.

Beten Sie?
Ja, täglich. Und mehrere meiner Bitten sind auch erhört worden. Beten gelernt habe ich schon im Elternhaus: Da wurden morgens, abends und bei Tisch immer Gebete gesprochen. Das prägt.

In Ihrem Wohnzimmer und auf der Terrasse stehen mehrere Buddha-Statuen. Fühlen Sie sich dem Buddhismus nahe?
Nein, das sind rein dekorative Objekte. Sammlerstücke und Geschenke von Freunden.

Welches sind Ihre nächsten Pläne?
Ich möchte gerne weitere CDs einspielen mit Liedern, die speziell für mich geschrieben sind und die zu meinem Leben passen. Und ich werde auch selbst weiterhin Lieder für mich schreiben. Vielsprachig, ich spreche acht Sprachen.
Im Moment schweben mir Volkslieder mit internationalem Flair vor – mit denen ich dann natürlich gerne wieder auf der Bühne stehen würde. Auch eine Musical-Rolle würde mich reizen, zumal ich ja singen und tanzen kann. Sobald ich Zeit finde, werde ich auch ein Buch über mein Leben in der Welt schreiben.

Die Ideen gehen nicht aus …
Solange es Freude macht, dem Publikum und mir, nein.

INTERVIEW: PIA STADLER

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„Wie hast du’s mit der Religion?“, fragt Gretchen den Faust. Wir stellen dieselbe Frage prominenten Persönlichkeiten – heute Lys Assia, Grande Dame des inter-
nationalen Showgeschäfts und einer der wenigen Schweizer Weltstars. Als Rosa Mina Schärer 1924 bei Lenzburg geboren, wurde die Bühne früh ihre Heimat. 1956 gewinnt sie mit „Refrain“ den ersten „Grand Prix Eurovision de la Chanson“. 1959 erobert sie sich mit dem Lied „Oh mein Papa“ ein Millionenpublikum. 1964 zog sie sich ins Privatleben zurück – um dann nach über dreissig Jahren in der Schweiz erstmals wieder an einer Gala aufzutreten und CDs einzuspielen. Nebst Radio- und Fernsehauftritten gastiert Lys Assia heute häufig bei Galas, diversen Stiftungen oder privaten Festen. Sie lebt mit Hündin Cindy am rechten Zürichsee-Ufer.

Die aktuelle CD von Lys Assia heisst „Lady in Blue“, erschienen 2005 bei Rubin-Records.
www.lys-assia.de