„DENN DEIN IST DAS REICH“
Der in der Messe verwendete Schluss des Vaterunsers „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ fehlt in der Bibel (vgl. Mt 6,9–13; Lk 11,2–4). Aber schon am Beginn des 2. Jahrhunderts wurde die matthäische Version des Vaterunsers mit der Schlussformel in eine Kirchenordnung aufgenommen und bestimmt: „Dreimal am Tag sollt ihr so beten.“ Die matthäische Version wird seitdem betend nachgesprochen. Die Schlussformel verbreitete sich, so dass sie sogar in Bibelhandschriften beim Vaterunser hinzugefügt war. Als Luther die Bibel übersetzte, hatte er eine lateinische Vorlage des Vaterunsers mit Schlussformel vor sich. So sprachen evangelische Christen dann auch dieses Grundgebet. Die ökumenische Fassung des Vaterunsers, die wir heute verwenden, bleibt bei dieser altkirchlichen und evangelischen Gebetstradition. Die Schlussformel wird daher jetzt auch in der Messe gesprochen (im lateinischen Messbuch und daher auch im deutschen, italienischen etc.). Nach den Bitten schwingt das Gebet zurück zu dem, der von Beginn der Zeiten an bis zu ihrem Ende die Energie (griech. dynamis) hat, sein Reich des Friedens bei den Menschen ankommen zu lassen.
GUNDA BRÜSKE
LITURGISCHES INSTITUT