Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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KLEINES 1x1 DER LITURGIE

TAUBE

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Das Bild ging um die Welt: Nach dem Angelusgebet des todkranken Johannes Paul II. entliessen Kinder an seiner Seite zwei weisse Tauben in die Freiheit. Doch die Friedensboten wollten partout nicht in die Winterkälte hinaus, sondern flatterten zurück in die Stube des lächelnden Papstes.
Aber schon vorher war dieses Friedenssymbol universal etabliert, spätestens durch die für den Weltfriedenskongress 1949 von Picasso gezeichnete Taube mit dem Ölzweig im Schnabel: Die von Noah ausgeschickte Taube kehrt mit einem Olivenzweig zurück, Zeichen des geschenkten Neuanfangs nach Tod und Vernichtung. Der über der Urflut schwebende Geist Gottes (Gen 1,2) und die Taube nach der Sintflut bilden den Hintergrund der erstaunlichsten Bibelstelle: Bei der Taufe Jesu kommt der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herab. Somit ist die Taube vorzügliches Symbol des Heiligen Geistes. Sie findet sich über Taufbecken ebenso wie über Hochaltären und in Kirchenfenstern und wird fester Bestandteil der Trinitätsdarstellungen der Barockzeit. Früher sah man eine prunkvolle Taube oft auch als Hängetabernakel über dem Altar schweben (heute noch in der Abtei Hauterive).
Die Hoffnung, die alle Menschen mit dem Bild der Taube verbinden, hat für uns eine konkrete Verankerung: Wer sanft, rein und anmutig, aber auch verletzlich über uns schwebt, der turtelnd um uns wirbt und uns – wie einst den Evangelisten – die Frohe Botschaft eingeben will, das ist der Geist Jesu, des Friedensfürsten.

PETER SPICHTIG OP, LITURGISCHES INSTITUT

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