Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Für die Paulus-Akademie werden Weichen gestellt

Mittendrin statt aussen vor

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Soll die grösste katholische Bildungseinrichtung im Kanton Zürich am Stadtrand bleiben oder ins Zentrum? Ein Entscheid, der für das gesamte kirchliche Bildungskonzept die Richtung weisen dürfte.

Als Ressortverantwortlicher der Zentralkommission stellt sich Rolf Bezjak die Kernfrage klar und unmissverständlich: „Wollen wir in Zürich eine kirchliche Akademie, ja oder nein?“ Er sei sich bewusst, dass die Antwort darauf sowohl für die Trägerschaft wie für die Paulus-Akademie komplex ausfallen müsse und es keine absolute Erfolgsgarantie gebe, egal welche Antwort man schliesslich favorisiere. Aber nach jahrelangen Abklärungen ist er überzeugt: „Eine PAZ im Limmathaus bietet ein hohes Potenzial an Hoffnung und ist ein deutliches Zeichen der Zuversicht und des Vertrauens in die Zukunft! Und wenn nicht Vertrauen und Zuversicht, was sonst sollen wir als Kirche ausstrahlen?“
Auch Hans-Peter von Däniken, Direktor der Paulus-Akademie, sieht das so. Und er ist davon überzeugt, dass der Umzug ins Stadtzentrum mehr als die unbestrittenen logistischen Vorteile mit sich bringe. „Wir hätten die Chance, nicht nur mitten in den Kreis 5, sondern auch mitten in die wichtigen Themen dieses Kantons zu stossen, sei es im Feld ,Mensch – Arbeit – Wirtschaft’, sei es im Bereich interkultureller und interreligiöser Dialog.“ Dafür müsse man in Zukunft aktueller und dynamischer werden, dafür müsse man auch näher bei den Leuten sein.

GASTLICHKEIT ALS KERNKOMPETENZ
Dass der bisherige Standort in Witikon weit vom Hauptbahnhof entfernt liegt und damit beispielsweise für Abendveranstaltungen unattraktiv ist, sei nicht das einzige Problem. Dort müssten nämlich die Gebäude dringend saniert und umgebaut werden – für mehrere Millionen. Letztlich eine teure Notlösung.
Bezjak hofft zudem im Stadtzentrum auf einen Imagegewinn für die gesamte katholische Kirche im Kanton Zürich: „Ein kirchliches Haus, in dem angstfrei über theologische, ethische und gesellschaftliche Fragen diskutiert werden kann, in dem christliche Kultur und Gastfreundschaft gelebt werden, ein solches Haus mitten in der Stadt würde dem Ansehen und der Wahrnehmung der katholischen Kirche immens guttun.“ Er sähe es deshalb gerne, wenn die katholische Kirche gerade in der Universitätsstadt Zürich mit einer attraktiven und angesehenen Akademie auf sich aufmerksam machen würde.
Die Verwurzelung in der katholischen Kirche ist auch für von Däniken wichtig. Gleichzeitig unterstreicht er die Vision Bezjaks von einem offenen und gastfreundlichen Haus. „Viele Besucher unserer Veranstaltungen sind kirchlich nicht engagiert, manche sogar distanziert. Dass wir sie mit unseren Angeboten ansprechen und erreichen, ist gerade für die katholische Kirche eine grosse Chance.“ Er möchte deshalb den Rahmen nicht zu eng stecken. Für Bezjak wie für von Däniken kommt ein konfessionell abgeschottetes Institut nicht in Frage. Deshalb müssten beispielsweise der ökumenische Dialog und die Zusammenarbeit mit reformierten Institutionen weiterhin gepflegt werden. Ein symbolhaftes Zeichen dafür ist eine Versuchsphase, die in der Helferei stattfindet. „Es ist mir wichtig, dass die Akademie bereits vor einem möglichen Umzug ins Limmathaus in der Stadt Fuss fasst“, erklärt von Däniken, „deshalb werden wir ab Herbst Abendveranstaltungen in der Helferei durchführen und damit erste Erfahrungen im Stadtzentrum sammeln.“

HOTEL MIT HINTERSINN
Voraussetzung für die Verwirklichung all dieser Visionen ist allerdings, dass die Synode der Körperschaft am 28. Juni dem Umzug ins Limmathaus zustimmt. Dann könnte die Paulus-Akademie dort spätestens 2012 oder 2013 einziehen. Auch dieser Umzug würde viel Geld kosten. Bezjak geht von ungefähr 6 Millionen Franken für Umbau und Einrichtung aus. Dazu kämen noch etwa 2,5 Millionen für den Umbau des Hotelbetriebs, die allerdings von der Besitzerin der Liegenschaft übernommen würden. Bei dieser Genossenschaft wäre die Akademie dann eingemietet. Was wiederum Vorteile habe, meint Bezjak, weil man durch einen Mietvertrag weniger festgebunden sei.
Auf die Frage, ob der angestrebte Hotelbetrieb nicht die Standortwahl unnötig einschränke und weshalb die Paulus-Akademie diesen überhaupt benötige, antwortet von Däniken: „Bereits jetzt mieten sich viele Gruppen bei uns ein, die ein Tagungszentrum mit Übernachtungsmöglichkeit zu einem fairen Preis suchen. Für unsere Kurse mit Behinderten beispielsweise, die übrigens sehr gut laufen, sind wir auf einen Hotelbetrieb angewiesen. Zudem brauchen wir in jedem Fall einen Restaurationsbetrieb für die Verpflegung der Kursteilnehmer.“
Diese Einschätzung wird von Bezjak ergänzt: „Unsere Machbarkeitsstudie hat den Nachweis erbracht, dass ein Hotelbetrieb an derart ausgezeichneter Lage mindestens selbsttragend, wahrscheinlich sogar profitabel sein wird.“ Und so fern liegt der Gedanke, als katholische Institution ein Hotel zu führen, ja gar nicht, wenn man an Klosterhospize und Kolpinghäuser denkt oder an Kur- und Erholungsheime, die von Schwesterngemeinschaften geführt wurden und werden. Auch für das „Haus der Religionen“, das demnächst in Bern entstehen soll, ist ein Hotelbetrieb geplant, notabene einer, der Mittel einbringen soll.
Sowohl von Däniken wie Bezjak erhoffen sich also von einem neuen Standort auch eine neue Ausstrahlung und neuen Schwung, der nicht zuletzt kirchlichen Kreisen zugute kommen soll. „Wir wollen uns in der Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker engagieren“, verspricht von Däniken und versichert gleichzeitig, dass man nicht bestehende Angebote konkurrenzieren werde. Eine sorgfältige Koordination und Kooperation sei notwendig. Aber gerade das Limmathaus biete zur Vernetzung mit anderen kirchlichen Institutionen viel bessere Möglichkeiten als der jetzige Standort.
Das Postulat der ständigen Synodenkommission „Bildung Medien Soziales“, das die Zentralkommission am 22. März entgegengenommen hat, kommt auch so gesehen zum richtigen Zeitpunkt. Bezjak jedenfalls kann sich gut vorstellen, dass eine Paulus-Akademie im Limmathaus in einem neuen Bildungskonzept zu einem entscheidenden Eckstein werde.
Wie auch immer der Entscheid der Synode ausfallen wird, bereits jetzt ist klar, dass die Paulus-Akademie 2012 anders aussehen wird als heute. Man kann das als Chance begreifen.

THOMAS BINOTTO

www.paulus-akademie.ch

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Das Limmathaus am Limmatplatz steht als neuer Standort der Paulus-Akademie zur Diskussion. FOTO: CHRISTOPH WIDER
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