Liebe Leserin, Lieber Leser
Wer rastet, der rostet. Wer nicht regelmässig trainiert, verliert bald seine körperliche Fitness. Wer nicht übt, dem macht das Musizieren immer weniger Spass. Und wer sich nicht weiterbildet, hat auf dem Arbeitsmarkt immer geringere Chancen. Lebenslanges Lernen heisst die Devise, entsprechend gross ist die Angebotspalette: Volkshochschule, Klubschule, Sprachschule, Computer-, Yoga- und Kochkurs. Wer will schon auf Schulabschlussniveau stehen bleiben?
Nur in einem Bereich verharren je länger, je mehr Leute auf dem Wissensstand von Primarschülern – wenns hoch kommt.
Da tragen top ausgebildete Berufsleute die kindlichsten Gottesbilder mit sich herum und verfügen bezüglich Bibel, Kirche oder religiöser Feste nicht einmal über Basiskenntnisse. Dabei gibt es auch auf diesem Gebiet eine Fülle von Weiterbildungsangeboten, wie der folgende Hauptbeitrag zeigt. Ob das Manko nun der ungenügenden Werbung seitens der Anbieter oder dem Desinteresse der Bevölkerung anzulasten ist, bleibe dahingestellt. Tatsache ist: Religion und Kirche sind aktuelle und oft genug hochbrisante Themen, welche die Gesellschaft als ganze oder ihre Individuen betreffen. Selbst nichtreligiösen Menschen stünde es gut an zu wissen, was Ostern bedeutet oder woher die Bibel kommt.
Man mag einwenden, Religion habe weniger mit Wissen als mit Erfahrung zu tun. Gewiss, religiöse Gemeinschaft kann nicht doziert werden, sie muss erlebbar sein. Und doch: Je besser ich informiert bin, umso besser kann ich auswählen, wo ich dazugehören möchte und von welcher Strömung oder Gruppierung ich mich lieber nicht vereinnahmen lasse.
JUDITH HARDEGGER