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300 Jahre Kapelle Oberholz

Über die Grenzen hinweg

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Am 17. Mai laden die Kapellgenossenschaft Oberholz, der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, und Dekan Vitus Schmid zum Jubiläumsgottesdienst „300 Jahre Kapelle Oberholz“ ein.


Die Kapelle Oberholz steht direkt gegenüber dem Restaurant „Kantonsgrenze“ mitten im Dorf. Auf dem idyllischen Weg vom zürcherischen Wald her wird eine unsichtbare Grenze überschritten. Irgendwo inmitten der grünen Matten lässt man die Kantonsgrenze von Zürich zu St. Gallen hinter sich. Das Dörfchen Oberholz gehört politisch zur St. Galler Gemeinde Goldingen, kirchenrechtlich zum Bistum St. Gallen. Im Alten Zürichkrieg (1436–1450) kam die Siedlung Oberholz, die zur anderen Seite an das zürcherische Amt Grüningen grenzte, zur Herrschaft Uznach und wurde so ein Teil der
St. Galler Gemeinde Goldingen. Die Herrschaftsgrenzen wurden durch die damaligen Machtverhältnisse bestimmt und orientierten sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen. Der kulturelle, wirtschaftliche, religiöse und zwischenmenschliche Alltag jedoch ist seit den Anfängen der Besiedlung dieser abgelegenen Gegend ganz nach dem züricherischen Wald ausgerichtet. Das ist einzigartig in dieser Ausprägung und ein Spannungsfeld, das die geschichtliche Entwicklung prägte. Eindrücklich haben sich hier die Bedürfnisse und Beziehungen der Menschen an die geografischen Gegebenheiten angepasst.
Auch die kirchlich-religiöse Ausrichtung der Oberholzer zu Wald blieb bis zur Reformation eine Selbstverständlichkeit. Die Reformationsbewegung aber forderte einmal mehr von den Oberholzern eine Standortbestimmung. In Wald etablierte sich um 1530 der evangelische Glaube, die Grafschaft Uznach jedoch blieb der alten Konfession treu. Damals bestimmte in solchen Fällen die Landesregierung und so blieben die Herrschaft Uznach und Oberholz katholisch. Die Oberholzer orientierten sich dann zeitweilig religiös nach dem katholischen Eschenbach. Uznach lag zu weit ab. Sie trugen auch ihre Toten nach Eschenbach. Um nicht über protestantisches Gebiet zu prozessieren, nahmen die Leichenzüge einen weiten Umweg über katholisches Gebiet in Kauf.
Heute bilden die Katholiken von Oberholz eine öffentlich-rechtliche Korpora-tion; eine selbständige Kapellgenossenschaft ist Trägerin der Kapelle. Da Oberholz kirchlich-rechtlich zu Goldingen gehört, fliessen die Kirchensteuern dorthin, werden jedoch der Kapellgenossenschaft zurückerstattet. Seelsorgerlich sind die Oberholzer seit 1875 wieder der Pfarrei Wald angegliedert. Für Taufen, Trauungen und Beerdigungen ist Dekan und Pfarrer Vitus Schmid von Wald zuständig. Er hat einen Seelsorgeauftrag, aber keine Jurisdiktion in Oberholz. Einträge werden unter Einhaltung des Territorialprinzips primär in Goldingen geführt. Ein Bus holt einmal pro Woche die Kinder von den umliegenden Aussenwachten nach Wald zum Religionsunterricht. Viermal im Jahr feiert Pfarrer Vitus Schmid Gottesdienst in der Kapelle Oberholz. In alle übrigen Gottesdienste sind die Oberholzer Katholiken nach Wald eingeladen. „Es ist mir wichtig, dass die Oberholzer ihre Kapelle als geistig-religiösen Mittelpunkt erleben“, so Vitus Schmid. Zusätzlich zu den Eucharistiefeiern des Walder Pfarrers halten die Oberholzer selbständig Andachten im Advent und in der Fastenzeit in ihrer Kapelle. Auch ökumenisch sind Grenzen heute durchlässig. Es freut, dass die reformierte Kirchgemeinde Wald wie auch die katholische Pfarrei Goldingen am Jubiläums- und Auffahrtstag den Gottesdienst ausfallen lassen und ihre Pfarreimitglieder in den Jubiläumsgottesdienst nach Oberholz schicken. So wird an diesem wichtigen Tag über die Grenzen hinweg gegenüber dem Restaurant „Kantonsgrenze“ gefeiert und einander begegnet.

ANDREA THALI

Detailliertes Festprogramm unter www.oberholz.ch

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Die geschichtsträchtige Kapelle Oberholz. FOTO: ANDREA THALI