SOS Narrenschiff
2007 wird es Zeit, dass wir ins Glücksspiel einsteigen. Und zwar mit einer Variante von Pascals Wette. Im Original geht diese ungefähr so: Wenn man darauf wetten müsste, ob es Gott gibt oder nicht, dann müsste man aus logischen Gründen darauf wetten, dass es Gott gibt. Wenn es ihn nicht gibt, verliert man nichts, wenn es ihn aber gibt, gewinnt man alles. So weit in aller Verkürzung das Wettangebot des französischen Mathematikers, Physikers und Philosophen Blaise Pascal (1623–1662).
Mein darauf abstützender Wettvorschlag für 2007 lautet: Lasst uns darauf wetten, dass es in dieser Kirche gut zu leben ist, dass wir hier beglückende Gemeinschaft erleben, erfüllende Freundschaften erfahren und uns als Katholikinnen und Katholiken wohl fühlen. Auf dieses scheinbare Luftschloss zu wetten, ist nur auf den ersten Blick eine Verschwendung des Einsatzes. Was haben wir zu verlieren, wenn sich bis Ende 2007 herausstellt, dass die Kirche genau jener hoffnungslose Fall ist, als der sie oft dargestellt wird? Gar nichts! Und was können wir gewinnen? Alles! Man stelle sich nur vor, wie diese Kirche aussehen würde, wenn sie von humorvollen, lebensfrohen und optimistischen Gläubigen geprägt würde.
Blaise Pascal wollte mit seiner Wette die Menschen zum Glauben verführen, und er versprach ihnen, dass sie nicht erst im Jenseits für ihr Risiko belohnt würden. Das Leben werde schon hier und jetzt einfacher, wenn man Christ sei.
Auch ich erhoffe mir von meinem Glücksspieleinsatz viel: Ich tue ein Jahr lang so, als ob es Spass machen würde, in dieser Kirche zu leben, als ob sich der Einsatz lohnen würde, als ob Fröhlichkeit und Katholizismus keine Gegensätze wären. Im schlimmsten Fall bleibt alles beim Alten. Im besten Falle verwandelt sich mein Wetteinsatz in eine beglückende Wirklichkeit.
Eintrag ins Logbuch: Wir haben als kirchliche Gemeinschaft nichts zu verlieren, wenn wir ein Jahr lang so tun, als ob es uns in dieser Gemeinschaft gut ginge.
THOMAS BINOTTO